Jüdisches Schach

Jüdisches Schach

Beitragvon Xephyr » Sa 30. Okt 2010, 18:41

Das Judentum ist eine sehr alte Religion. Man sieht es schon daran, daß
nach geltendem rabbinischem Recht, eine Person dann Jude ist, wenn sie
von einer jüdischen Mutter abstammt. Wenn jemand Sohn eines Juden ist,
sei es ein Cohen oder ein Levy, wird er dessen Namen tragen, aber wenn
seine Mutter, die Gattin jenes Herrn Cohen oder Levy nicht selbst Jüdin
ist, das heißt ihrerseits geboren von einer jüdischen Mutter oder zum
Judentum konvertiert, dann ist man nach rabbinischem Recht kein Jude.

Mit anderen Worten, das Judentum hält bis heute die alte Matrilinearität
aufrecht. Im Gegensatz zum Römischen Recht, du erinnerst dich, diese
mächtige christliche Kirche nennt sich selbst "Römisch-Katholisch".
Nicht Jüdisch-Katholisch, das ist ihnen sehr wichtig.

Ob man das Spiel gewinnen kann? Die Frage ist sehr schwierig zu beant-
worten. Es gibt viele Varianten des Jüdischen Schach und alle Varianten
werden an einem dreieckigen Schachbrett gespielt. Du hast also einen
Gegner, den du siehst und einen Gegner, der sich im Nebel verbirgt.
Nebel heißt auf Hebräisch "Abel" und wenn du nicht aufpasst, wirst du
ruck-zuck in ein Gespräch über die verschiedenen Bedeutungsebenen
der Kain-und-Abel-Geschichte verstrickt. Falls dir die mystischen
Erfahrungen wichtiger sind als das Spiel, läufst du tatsächlich Gefahr
diese Partie zu verlieren. Wobei das natürlich eine reine Interpretations-
sache ist, denn du hast ja gleichzeitig an Erkenntnis gewonnen.

Wie so vieles im Judentum ist das Jüdische Schach koscher. Das heißt
es ist tauglich, sagt aber nicht genau wofür. Wenn du an einem drei-
eckigen Jüdischen Schachbrett sitzt, dann hast du entweder die weißen
oder die schwarzen Figuren. Auf der dritten Seite befindet sich etwas
völlig Anderes und im Grunde will keiner das, was auf dieser Seite des
Brettes mitspielt, so wirklich wahrhaben, es könnte ja etwas Schreck-
liches sein (chas veshalom!). Dieses Schachbrett - auch der "Baum des
Schachs" genannt, verfügt nicht etwa über quadratische, sondern über
hexagonale Felder, entsprechend jener tieferen Bedeutung der Kaballah,
die dir erst dann offenbart wird, wenn du sie bereits kennst. Die 10
Reihen (oder Madregot), die in jede Richtung von dir wegführen (eigent-
lich sind es acht plus zwei Reihen, aber die Wichtigkeit dieser Tat-
sache liegt im Verborgenen) repräsentieren jeweils einen Schritt höher
auf den Stufen der Spiritualität. Jeder Schritt ist in 10 weitere
Ebenen unterteilt (eigentlich sind es acht plus zwei Ebenen, aber die
Wichtigkeit dieser Tatsache liegt, wie der dritte Mitspieler, im Ver-
borgenen. So ähnlich wie im Ägytischen Tarot, wo Atu VI, die Liebenden,
auch immer drei Personen enthält, aber wir spielen ja nicht Ägyptischen
Tarot, sondern Jüdisches Schach, auch wenn die beiden Spiele durchaus
ihre Ähnlichkeiten haben!).

Wer dem Text bisher gefolgt ist - ich schätze mal es sind zwei Mitleser
und acht multiple Pseudonyme - wird sich schon gedacht haben, daß es
nicht nur *ein* dreieckiges Schachbrett gibt, sondern es gibt *drei*
dreieckige Schachbretter, wobei nur das EINE wirklich real ist und
das zweite ist ein Spiegelbild des ersten und das dritte ist ein
Spiegelbild des zweiten Schachbrettes. Gespielt wird aber natürlich auf
allen Schachbrettern, Ebenen und Feldern gleichzeitig!

Da sich die drei Schachbretter mit ihren hexagonalen Feldern auf je
10 Reihen und je 10 Ebenen pro Reihe nicht nur im Raum, sondern auch
in der Zeit abbilden, gibt es - je nach aktuellem Zeitgeist - neben
den traditionellen Jüdischen Halacha-Brettern auch verschiedene
moderne Varianten, zum Beispiel die politische Version, bei der je
eine Seite des Schachbrettes für die Religion, eine für das Säkulare
und eine für die Araber steht. Oft wird diese Variante mit Israeli,
Arabern und Amerikanern als Spieler bevorzugt, wobei Teile des
Spielbrettes am Shabbes geschlossen sind, aber die säkularen Spiel-
figuren sich dort trotzdem bewegen dürfen. Manche Spielfiguren
versuchen manchmal Teile des Spielbrettes an die Palästinenser
abzugeben, was die israelische Seite zum Aufruf von sogenannten
Neuwahlen berechtigt.

Je nach Ausgang der Neuwahlen finden wir in dieser interessanten
Variante nun auf der einen Seite die Israeli, auf der anderen Seite
die Palästinenser und auf der dritten Seite die Internationalen Be-
obachter, die (chas v'chalila!) von dort aus ihre Nase in alles
reinstecken. Das Spielbrett enthält nun zwei Sektoren, deren Felder
durch Tunnels, Brücken und Straßensperren in Verbindung stehen. Die
Spielfiguren der Palästinenser benötigen spezielle Berechtigungen um
die hexagonalen Felder der Israeli zu betreten, aber es gibt neben
den schwarzen und weißen Spielfeldern auch grüne und rote Felder, die
ihrerseits unter palästinensischer Kontrolle stehen.

Xephyr

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