Zum Begriff der Magie

Zum Begriff der Magie

Beitragvon Xephyr » So 31. Okt 2010, 11:50

Wenn man nach den Ursprüngen des Begriffes "Magie" forscht, dann weisen Lexika gerne darauf hin, daß damit ursprünglich Persische Priester gemeint waren. Für mich war das immer etwas rätselhaft, denn dieser Zusammenhang erweckt den Eindruck, daß Magie aus Religion entstanden sei. Mit anderen Worten, wenn der erste Magier aus der Kaste der Priester stammte, dann läßt das den Schluß zu, daß es Religion schon vor der Magie gab. Mehr noch: Es fehlt nur selten der Hinweis, daß diese Priester in den Wissenschaften ausgebildet waren.

Aber stammt der Begriff "Magier" oder Magie" wirklich direkt aus Persien oder hat er vielleicht seine Bedeutung woanders her bekommen? Es besteht nämlich keinerlei Zweifel daran, daß die Begriffe "Mageia" und "Magos", Zauberei und Zauberer, ihre heutige Bedeutung nicht in Persien, sondern im alten Griechenland bekamen. Eine der ersten schriftlichen Nennungen geht auf den "Protreptikos" von Clement von Alexandria zurück, wo der Philosoph Heraklit erläutert: "...jene, die des Nachts umherwandern (nyktipolois): Magi (magois), Bacchanten (bakchois), Mänaden (lenais), Initiierte (mystais)."

Das hört sich doch schon ganz anders an, als "wissenschaftlich ausgebildeter Priester". Aber wie kam diese Bedeutung zustande? Wie so oft, scheint auch hier die Begrifflichkeit der Magie nicht aus Sachkenntnis entstanden zu sein, sondern hatte seine Quelle womöglich in einer fantasievollen literarischen Sicht. Die griechische Tragödie weist einen "Magos Arabos" auf, es war Aeschylus in seinem "Perser", der diese Figur schuf. Die Tatsache, daß er Magos mit Arabien in Verbindung brachte, deutet aber darauf hin, daß er von persischen Magi keinen blassen Schimmer haben konnte. Es gibt in dem ganzen Drama keinen einzigen authentischen Hinweis auf persische Religion. Hat Aeschylus mit dieser "Romanfigur" des Magos einen Mythos erzeugt und vielleicht etwas damit beschrieben, das es zwar in seinem Umfeld schon gab,aber bis dahin keine solche Bedeutung besaß?

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beobachtung, daß viele Völker ihre Nachbarn "Magier" nannten und diesen Begriff mit allgemeiner kultureller Unterentwicklung verbanden. So beschimpften die Süd-Skandinavier die Lappen und Finnen als Magier und meinten damit das "Andere", das "Fremde", das gleichzeitig barbarisch, dunkel, böse und gefährlich war. Magier waren in diesem Sinne die "Diebe der Götter", die "nachts umherstreiften" und Unheil und Krankheit über das Volk brachten. Im Grunde eine Sicht auf Nachbarn, die wir heute mit Xenophobie, Fremdenangst/haß und Ausländerfeindlichkeit bezeichnen würden. So wurden aus persischen Gelehrten im alten Athen plötzlich "Goeteia", Schwarzmagier, die man vermutlich bequem als Schuldige für allerlei Übel heranziehen konnte, daß man selbst nicht zu verantworten bereit war.

Erst vor wenigen Jahren wurden Schriftstücke gefunden, die auf die Entstehungszeit des Magoi-Mythos im alten Athen von 500 v.Ch. zurückgehen. Aus mehr als 200 Fragmenten des verkohlten Artefakts konnte man Aktivitäten von Magoi nachweisen. Sie waren nicht seßhaft, waren also Umherziehende. Ihre Dienste boten sie auf privater Basis an, waren also nicht Teil einer Organisation oder Struktur. Ihre Magie basierte auf geraunten Sprüchen in einer für die Griechen schlecht oder nicht verständlichen Sprache. Und die alten Magoi sangen Zauberlieder (epoide) und opferten den Ahnen um Dämonen zu vertreiben. Diese Magier waren meiner Meinung nach diejenigen, nach denen unser modernes Bild des europäischen Magiers geformt wurde. Allerdings war die Sicht der alten Griechen auf diese Zauberer kaum eine positive.

Jedenfalls gibt es keinen verlässlichen Hinweis darauf, daß der Begriff "Magier" von den Griechen aufgrund der Beobachtung von persischen Gelehrten geprägt wurde. Und selbst wenn diese umherziehenden "Zigeuner" wirklich persische Gelehrte gewesen sein sollten, so wurden sie doch sehr abfällig und ängstlich-mißtrauisch von den Griechen beäugt.

So aufschlußreich diese Betrachtungen auch sein mögen, sie können keine Antwort auf die Frage geben wo und wann Magie entstanden ist. Höchstenfalls kann man sich besser vorstellen, wie die negative Belegung des Begriffes zustande kam. Ich persönlich vermute die Entstehung der Magie nicht in den Wissenschaften Persiens, sondern eher im ursprünglichen Schamanismus Afrikas.

Autor: Xephyr

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