Cosonanz für die Goetische und Henochische Magie

Cosonanz für die Goetische und Henochische Magie

Beitragvon Xephyr » Fr 5. Nov 2010, 16:08

"Wer gut berät, baut mit einer Hand;
Wer gute Ratschläge erteilt und mit gutem Beispiel
vorangeht, der baut mit beiden Händen;
Aber jene, mit ihren gutgemeinten Mahnungen und
ihren abschreckenden Beispielen, bauen mit einer
Hand und zerstören mit der anderen."
[Francis Bacon]

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Cosonanz für die Goetische und Henochische Magie
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So mancher Magier wäre wohl beraten den Begriff "Cosonanz" statt "Resonanz" zu verwenden, dann würde ihm vielleicht eher bewußt, daß er es bei den Dämonen und Engeln der Goetischen und Henochischen Magie mit intelligenten, lebendigen und fühlenden Wesen zu tun hat. Da schreiben manche Magier: "Alles was ich für Magie brauche, ist Resonanz und Fokus." Klingt für mich wie ein Schüler des asiatischen Kampfsportes, der vor seinem ersten Kumite nach einer Pistole verlangt.

In den Modellen der Resonanz steht ein Rufer in einem geschlossenen System und erzeugt ein Echo. Dieses Modell suggeriert eine Welt, in der es nur diesen Rufer als lebendiges und agierendes Wesen geben kann, alles andere sind bloße Reflektionsflächen, also Objekte, totes Inventar. Dies ist eines der Lieblingsmodelle der Esoterik und konsequenterweise wird Seele dort auch als Spiegel begriffen, das optische Äquivalent zum akustischen Echo. Initiationen der Esoterik führen daher i.a.R. zu der Erkennnis, daß - da es ja nur ein wirkliches Wesen geben kann, nämlich den "Rufer" - alles andere nur Illusion sei, nämlich ein verzerrtes Echo oder ein Spiegelkabinett des eigenen "Rufens", sprich Handelns. Logisch und konsequent weitergedacht führt das Weltbild der Resonanz zu einer vollen Eigenverantwortlichkeit jedes Menschen ("selbst schuld"), denn es gibt ja nur einen Impulsgeber, ihn selbst, fremde Einflüsse ignoriert das esoterische Modell der Resonanz fast vollständig.

Während das esoterische Weltverständnis dem Bilde eines Echos, also einer Resonanz, entspricht, haben insbesondere die schamanistischen Angänge der Magie einen anderen Angang gewählt. Der Impulsgeber begreift sich dort nicht als einzig existente Person und alles um ihn herum als pure Illusion, also Echo seines Seins, sondern er erfährt sich in einer lebendigen Interaktion mit ebenso lebendigen Wesen, meist Naturgeister wie Tiergeister, Pflanzendivas aber auch Götter und Ahnen. Er begreift sich auch nicht als alleinigen Impulsgeber, sondern ist sensibel und empfänglich für Eindrücke und Impulse, die auf ihn einwirken. Anstelle einer monotonen Ich-Reflektion ist das Ziel also ein gemeinsamer Tanz und ein gemeinsames Lied des Selbst. Dieser gemeinsam begangene Weg bedeutet statt dumpfem Echo einen starken Chor und statt ignoranter Resonanz eine offenherzige "Cosonanz". Das bedeutet aber auch die Seele nicht mehr zum Objekt der eigenen narzisstischen Neigungen zu degradieren, sondern vielmehr sich auf das Abenteuer der Entdeckung einer lebendigen Seele als eine durchaus fremde, intelligente, eigenständige und eventuell sogar erschreckende Lebensform einzulassen. Es bedeutet auch, sich von vielen althergebrachten und manchmal auch liebgewordenen Denkmustern zu verabschieden.

Der esoterische Angang erhebt das Ich zu einer bedeutenden Majestät, einem Gott (allerdings in einem ansonsten leeren Universum) während der magisch-schamanistische Angang das Ich nur als kleinen, eher unbedeutenden Teil eines ungleich viel mächtigeren und komplexeren Systems erlebt. Wenn ein Esoteriker zurückblickt, dann betreibt er gerne Reinkarnationsforschung und entdeckt, daß er in einem früheren Leben ein Pharaoh, ein König oder eine sonstige bedeutende und wichtige Persönlichkeit war. Wenn ein Schamane zurückblickt, dann entdeckt er seine Ahnen und die Atavismen, die sein Herz mit dem Pulsschlag des Universums auf ewig und in Liebe verbinden.

Autor: Xephyr

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