Sterben um zu leben?

Sterben um zu leben?

Beitragvon Xephyr » Sa 6. Nov 2010, 16:47

Das Schöpfungslied der Rigveda hält ein paar faszinierende Zeilen zu diesem Thema bereit:

"Ashtau putrâso aditer ye jâtâs tanvas pari/
Devân upa prait saptabhi parâ mârtândam âsyat/
Saptabhi putrair aditir upa prait pûrvyam yugam/
Prajâyai mrtyave tvat punar mârtândam âbharat."

Acht Söhne sind, die aus dem Leib der Himmlischen geboren sind/
Mit sieben stieg sie zu den Göttern auf. Den Mârtânda warf sie fort/
Mit sieben Söhnen stieg die Himmlische ins frühste Morgenlicht/
Zum Zeugen und zum Sterben holte sie den Mârtânda wieder vor.

Mârtânda ist eine Totgeburt, wörtlich "Tot-Ei", er ist der Phönix, der Feuervogel dieser Schöpfungshymne. Tatsächlich sieht es zunächst so aus, als hätte der Schöpfungsakt durch die Totgeburt einer der Söhne einen hohen Preis verlangt. Doch der letzte Satz weist auf etwas anderes hin. Der verworfene Mârtânda hat eine äusserst wichtige Funktion. Ohne ihn gibt es kein Leben und kein Sterben.

"Ha!" wird jetzt vielleicht der eine oder andere Leser ausrufen, "hab' ich's nicht gleich gewußt: Kein Leben ohne Tod, nichts Neues ohne Zerstörung!"

Naja. Es ist schon ein Unterschied ob Menschen oder Götter kreativ werden. Wenn wir als Menschen etwas zerstören, dann muß daraus nicht automatisch etwas Neues entstehen. Wenn wir töten, dann entsteht nicht per se und von selbst daraus Leben. Mir persönlich ist daher ein mehr Ressourcen-orientiertes Vorgehen lieber. Sozusagen Quellenschonend. Und letztendlich wurde Mârtânda zwar verworfen, aber doch niemals zerstört.

Xephyr

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