Kurzgeschichte

Werke von Abyssdivern und Träumern in Wort, Bild und Ton

Re: Kurzgeschichte

Beitragvon BigBadWolf » So 9. Nov 2014, 15:01

(Vielen lieben dank für die Antwort :> diesmal kommt etwas direkteres. Es ist vorallem auf meine jetzige Situation bezogen. Keine wirkliche Kurzgeschichte, nur ein kurzes Gedankenwirrwarr, welches ich versucht habe in einen Text zu pressen, um es selbst zu verstehen. Ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß beim lesen ^_^)


Man will ja voran kommen

Ich ertrage es zuhause nicht mehr. Das habe ich schon mal gesagt, glaube ich. Es ist, als würde man die Tür aufschließen und auf einmal existiert die Welt da draußen nicht mehr. Es existiert nur noch diese Wohnung, nur noch diese wenigen Räume, diese Wände, dieser ekelhafte Geruch. Dieser Geruch nach Weichspüler, den ich eigentlich mag und dieser Geruch nach dem Teppich, der bereits so viele Flecken hat, dass er unmöglich zu reinigen ist.
Die Tapete im Bad, die sich bereits von den Wänden löst, da alle immer zu heiß duschen.
Diese Menschen, die da herum wuseln. Diese Menschen, deren Anblick ich einfach nicht mehr ertrage. Deren Gegenwart ich nicht mehr haben will.
Nur noch das existiert.
Und es fühlt sich an, als könnte man dem Ganzen einfach nicht entfliehen.
Ich will weg.
Das Gefühl kennen viele, aber das ist mir egal. Das Bedürfnis zu fliehen ist einfach zu groß.
Mein Psychologe erklärte mir, dass es drei Arten gibt, wie der Mensch mit Gefahrensituationen umgeht:
Tot stellen.
Flucht.
Und Angriff.
Normalerweise bin ich der Angriffstyp. Aber auch Flucht, ist eine meiner ersten Wahlen.
Flucht ist aber nicht immer möglich. Also angreifen.
Immer weiter angreifen, immer weiter kämpfen. Immer weiter.
Und dann fliehen, vor den Resten die ich da liegen ließ. Fliehen vor dem Schlachtfeld.
Das ist meine Lösung.
Aber wie Gift zerfrisst es mich von Innen, löst meinen Körper und meine Psyche auf.
Dass ich krank bin, dass haben bereits alle Ärzte festgestellt, ich auch.
Dass ich damit umgehen kann, das ist keine Kunst.
Aber dass es nie aufgehört hat, das hat bisher noch keiner bemerkt. Niemand hat es gesehen, nur ich, ich beobachte es, führe Buch, notiere meine Aussetzer, damit ich nicht vergesse, dass eben noch nicht alles in Ordnung ist.

Es ist als würde man spazieren gehen. Man kommt an eine Gabelung des Weges und entscheidet sich für eine Seite, denn man will schließlich voran kommen. Später, wenn man die Gabelung bereits längst hinter sich gelassen hat, wird einem Bewusst, dass die Wahl falsch war.
Auf einmal steht man wieder da, wieder an dieser Gabelung und natürlich wählt man diesmal den anderen Weg, denn der eine war schließlich falsch. Und man muss den ganzen Weg, den man eigentlich bereits hinter sich gebracht hat, noch einmal gehen. Das ist nicht einfach, jedoch machbar.
Nur ab und an wird man des Laufens überdrüssig. Aber das ist ok, denke ich, eine kleine Pause einzulegen, meine ich. Hauptsache man steht irgendwann wieder auf und geht weiter.
Denn man will ja voran kommen.
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Re: Kurzgeschichte

Beitragvon oYo » So 9. Nov 2014, 16:23

Hallo Wolf,

ja, es ist wohl oft so, daß man Wege mehrfach gehen muß. Erst über einen langen Zeitraum bemerkt man wirklich, daß man dabei dennoch gut vorangekommen ist und sich eben nicht im Kreis gedreht hat. Aber wer hat schon die Geduld, seine Perspektive auf Jahre hin auszudehnen, wenn es einem nicht gut geht und einem sowieso alles zu viel ist. :antenna:

Streß und Überforderung, zu große Enge, sowohl räumlich als auch geistig (z.B. durch die Erwartungen jener, mit denen man zusammenlebt) kann man zwar mit einer Gefahrensituation vergleichen. Ich finde aber, daß man durchaus mehr differenzieren sollte. Eine Gefahrensituation ist eine direkte Lebensbedrohung, der man anders als durch Flucht oder Angriff (totstellen funktioniert bei Menschen meistens nicht so gut wie an manchen Stellen des Tierreichs) nicht entkommen kann. Aber ein permanenter Druck, der das Leben eher durch seine ständige Präsenz als durch seine unmittelbare Gefahr bedroht, ist etwas Anderes. Natürlich sind auch hier Aggression oder Rückzug Hauptreaktionen. Aber wenn man sich die Möglichkeit verschaffen kann auszuruhen, sich abzulenken, zu schlafen, was auch immer, dann würde ich das niemals als Flucht oder Totstellen begreifen. Es ist unendlich wichtig, sich diese Pausen zu nehmen, wann immer es geht, weil sie einem helfen, wieder Kraft zu schöpfen, mehr Klarheit über sich und seine Situation zu gewinnen, neue Perspektiven einzunehmen und wichtige Entscheidungen zu treffen.

Lieben Gruß, oYo :blume:
Mein Blog: Musenselig Sirenenberauscht - Verborgene Gärten der Sehnenden Lust

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