Tote zum Leben erwecken - aber richtig

Träume erzählen, Träume miterleben, Träume deuten

Tote zum Leben erwecken - aber richtig

Beitragvon Chloë » Di 2. Nov 2010, 18:50

Hallo Ihr alle,

passend zur Jahreszeit träumte ich heute Nacht viel von den Toten. Träume nehmen bei mir manchmal sehr viel Raum ein. So auch dieser Traum, der mich durch die ganze Nacht bis zum Aufwachen begleitet hat. Er ist deswegen auch sehr lang und muß sicherlich nicht bis ins Detail gedeutet werden. Über die ein oder andere Inspiration würde ich mich aber sehr freuen. :baelle:

Ich träumte zunächst aus der Perspektive meiner Teenyzeit, so mit 14 Jahren etwa. Ich war wie gewöhnlich mit dem Zug zur Schule gefahren, die in der Stadt 10 km von unserem Dorf entfernt lag. Es war Mittag, die Schule war aus, und meine Klassenkameraden und ich wollten nach Hause. Meine Klassenkameraden waren alle mit dem Fahrrad da und fragten mich, ob ich Lust hätte, mit ihnen zu Fuß nach Hause zu laufen. Ich ging also mit ihnen am Fluß entlang, die Sonne schien, es war ein schöner Tag. Etwa 2 km außerhalb der Stadt führt die Straße über einen Bahnübergang. Dort überquerten wir die Straße und den Bahnübergang und folgten nun einem Weg, der auf der rechten Seite der Straße entlang führte. Jetzt hatten aber meine Klassenkameraden keine Lust mehr, zu Fuß zu laufen, stiegen auf ihre Fahrräder und radelten davon. Da ich ja mit dem Zug in die Schule gefahren war, hatte ich kein Fahrrad dabei und war nun allein. :sad:

Ich überlegte mir, daß ich bis zum nächsten Dorf gehen wollte, das genau zwischen Heimatdorf und Schlustadt lag, und dort zu Hause anrufen, ob mich jemand abholt. Dort angekommen wurde ich in ein Haus eingeladen, von wo ich telefonieren wollte. In dem Haus lebte die Familie eines Freundes aus heutiger Zeit, ein Pole namens S. Ab hier fühlte ich mich nicht mehr wie ein Teeny und kann den Traum nicht mehr zeitlich einordnen. Die Mutter von S. war krank, saß apathisch in einem Stuhl und starrte vor sich hin. Mein Mann war da und sprach mit ihr, und plötzlich fing sie an zu reden. Erst flüsterte sie nur, aber dann wurde ihre Stimme langsam deutlicher und kräftiger. Ich weiß nicht mehr, was sie sagte, sie erzählte etwas über ihre Krankheit und deren Hintergründe, auch über Familiengeschehnisse. Sie stand sogar auf und setzte sich neben mich (ich saß auf einem Bett). Als sie anfing zu weinen, legte ich meine Hand auf ihre, um sie zu trösten. Jetzt legte sie sich neben mich, bettete ihren Kopf in meinen Schoß und sprach weiter. Ich dachte, dies alles sei ein Zeichen der Genesung... :fieber:

Es gab einen Zeitsprung. Ich war jetzt auf einer Wiese, die Familie von S. machte dort ein Picknick. Sie hatten einen Klapptisch aufgestellt und einen Grill. Die Mutter war vor vielen Jahren schon gestorben, doch jetzt kletterte eine Frau über einen Holzzaun, rannte auf die Familie zu und wedelte fröhlich mit ihren Armen. Es war die Mutter, in dem Alter, in dem sie verstorben war. Erst als sie am Tisch war, staunte sie darüber, daß ihre Familienmitglieder viel älter geworden waren. Sie freute sich nach wie vor, sie alle zu treffen, war sehr unternehmungslustig, merkte aber auch, daß besonders ihr Ehemann ihr fremd geworden war. Mein Traum erklärte mir, sie sei von einer jungen Frau zum Leben erweckt worden. Doch weil sie die Zwischenzeit ab ihrem Tod nicht miterlebt hatte, hatte sich ihre Familie ihr entfremdet. Und so trennte sie sich von ihrem Mann und fing ein ganz neues und unabhängiges Leben an.

Szenenwechsel. Ich lebte mit meinem Mann in einem kleinen Häuschen im Grünen. Draußen war es bewölkt und herbstlich. Der Vater meines Mannes (vor einigen Jahren verstorben) kam zur Tür herein, legte ein etwas älteres, zerlesenes Buch auf den Tisch und sagte: "Das Buch habe ich mit ins Grab genommen. Es hat mir so viel bedeutet. Aber jetzt brauche ich es nicht mehr. Ich möchte, daß ihr es jetzt habt." Dann ging er fort. Ich blätterte im Buch und sah, daß auf drei oder vier Seiten Spinneneier klebten. Es waren recht große Eier, etwa 2 mm im Durchmesser. Wie groß mochten dann wohl erst die Spinnen sein? Da ich sie jedenfalls nicht im Haus haben wollte, ging ich mit dem Buch in die Felder hinaus und streifte die Eier ab. Dabei achtete ich auch darauf, daß kein Ei an meiner Kleidung hängen blieb. :spinne:

Ein Mädchen kam um die Ecke unseres Hauses und sagte: "Ich habe eben ein totes Mädchen getroffen, das mit mir spielen wollte. Ich bin schnell weggerannt." Neugierig ging ich zur Vorderseite unseres Hauses. Gerade kam tatsächlich ein totes Mädchen aus dem Haus heraus (diesmal eindeutig nicht lebendig, sondern als Besuch aus dem Reich der Toten). Ich hatte ein Stofftier, einen Gorilla mit einem gelben Helm und einer Arbeiterlatzhose, in meinem Arm (den besitzen wir wirklich). Das Mädchen wollte den Gorilla haben und zum Spielen mit ins Reich der Toten nehmen, wo noch mehr traurige Kinder auf sie warteten. Das war mir aber gar nicht recht. Ich fragte sie: "Braucht ihr wirklich Spielzeug? Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes, was ihr braucht?" Mir schien, daß die Kinder im Reich der Toten umherirrten, ohne zu wissen, daß sie tot waren. Das Mädchen sagte mir, was sie wirklich brauchten, und ich verstand die Antwort und war bereit, ihnen das zu geben - ich weiß aber nicht mehr, was es war. :schulter:

Szenenwechsel. Ich war jetzt zu Besuch bei einer Freundin (keine 'reale' aus dem Wachleben, ich nenne sie hier einfach mal Miriam, weil da noch mehr Protagonisten auftauchen). Es waren viele Leute zu Besuch, vielleicht eine Party. Miriam war diejenige, die die Mutter von S. zum Leben erweckt hatte. Sie war aber enttäuscht, daß die Mutter ihr neues Leben nicht mit ihrer Familie weiterleben wollte, sondern fortgegangen war. Und jetzt hatte sie wiederum eine Freundin zum Leben erweckt, in die sie ein wenig verliebt war. Die kenne ich aus meinem Leben, eine Freundin, zu der ich keinen Kontakt mehr habe, Sa. heißt sie. Allerdings hatte Miriam sie nicht richtig zum Leben erweckt, sondern eher so eine Art Zombi aus ihr gemacht, denn sie wollte auf keinen Fall, daß Sa. ihr eigenes Leben in die Hand nahm und sie verließ. :wahh:

Sa. sah, wenn man sie normal anguckte, wie ein lebendiger Mensch aus. Aber wenn ich ihr genau ins Gesicht sah, dann konnte man erkennen, daß ihre Augenlider geschlossen waren und die Augen in Blau drübergemalt waren. Überhaupt war ihr ganzes Gesicht fein säuberlich mit einem hellen Makeup geschminkt.Ich unterhielt mich kurz mit ihr und spürte, daß sie traurig war und ihren halblebendingen Zustand unschön fand. Aber sie liebte Miriam, umarmte und küßte sie immer wieder. :huggy:

Ich wandte mich nun dem Kaminfeuer zu, das allerdings nicht in einem Kamin brannte, sondern in einer gläsernen Feuerstelle. Die Holzscheite glühten eher vor sich hin, als daß sie brannten, eine schöne Stimmung war das. Das Kaminfeuer sprach zu mir: "Ich werde jetzt stärker für dich. Aber du mußt die künstliche Ernährung abschalten." Den letzten Satz verstand ich nicht. Das Feuer wurde schnell größer, verwandelte sich jetzt aber in ein Strahlen, es waren keine Flammen mehr. Das Licht wurde immer intensiver, es war ein ungemütliches, kaltes Licht, wirkte fast etwas kränklich, wie blauweißes Neonlicht. Das Feuer/Licht sagte: "Wenn du nicht die künstliche Ernährung abschaltest, dann explodiere ich!" Ich hatte Angst vor dem Licht, es erinnerte mich irgendwie an eine Atombombe, und ich verstand immer noch nicht, wovon es sprach.

Aber einer der Partygäste war so gegenwärtig, die Situation zu verstehen. Er ging an der gläsernen Feuerstelle vorbei und zog einen Schlauch aus der Wand, der mit dem Glas in Verbindung stand. Durch diese Leitung war wohl ein Gas oder etwas ähnliches in die Feuerstelle geleitet worden, um sie am Brennen zu halten. Als diese Leitung unterbrochen war, verwandelte sich das Licht sofort wieder in ein wunderschönes Feuer, das nun gemütlich vor sich hin prasselte. :feuer:

Beruhigt wandte ich mich ab und ging wieder zu Miriam und Sa. zurück. Mit einem Schrecken sah ich, daß Sa. inzwischen stark eingefallene Wangen hatte, ihre Nase war bis auf einen dünnen Strich fast ganz verschwunden, auch ihre Augen waren weg. Stattdessen konnte man nur noch die auf glatter Haut aufgemalten Augen sehen. Und der Mund begann ebenfalls, ganz allmählich dünner zu werden, und drohte zu verschwinden. Miriam tat so, als würde sie es nicht merken, und hielt Sa. liebevoll in ihrem Arm. Ich sagte zu ihr: "So geht das nicht, Miriam. Wenn du jemanden zum Leben erweckst, dann mußt du es richtig tun. Du mußt ihm seine volle Lebenskraft wiedergeben, damit er sein eigenes Leben in die Hand nehmen kann - auch wenn das bedeutet, daß sie dich vielleicht verläßt. Siehst du denn nicht, daß Sa. schon fast wieder tot ist?" Erst jetzt bemerkte Miriam ihren eigenen Schrecken darüber, und sie erklärte sich bereit, Sa. richtig zum Leben zu erwecken, aber nur sehr widerwillig, denn sie hatte nach wie vor Angst, daß Sa. sie verlassen würde... :wanderflieg:

... ich wußte, das würde ein langer Beitrag werden. Aber keine Sorge, ich träum ja nicht immer eine komplette Nacht an einem Thema herum. ;-) :lach:

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Re: Tote zum Leben erwecken - aber richtig

Beitragvon Firlefunke » Mi 3. Nov 2010, 20:08

Uih uih, ich bin die erste ... :) ... *räusper*

also, ich habe mal über deinen Traum oder besser deiner Träume nachgedacht und habe überlegt, dass diese Träume so ganz für sich genommen, ohne sie auf irgendwas zu beziehen, sehr schwer zu verstehen sind.

Da kann man dann einfach sagen: schön, dein Schwiegervater hat dich besucht. Und so kommt es mir auch fast vor.

Dann habe ich überlegt, auf welche Lebenssituation sich diese Träume beziehen könnten und habe mal verschiedene Varianten durchgespielt, da bin ich aber auch nur bei einer Variante weitergekommen.

Nämlich bei der Variante "Deutung des Traums in Bezug auf das Traumforum".
Das ist natürlich vielleicht jetzt weit hergeholt und was hat das Traumforum denn nun mit so viel Tod und Wiederbeleben zu tun, ...

Also nur ein paar Ideenansätze in diese Richtung, da ich natürlich vollkommen falsch liegen kann.

Zum Beispiel die Begleitung, die dir nach dem Überqueren der Gleise davonfährt. Da ist etwas überschritten worden, vielleicht schon viel früher (denn der Traum erzählt dir ja von deine Vergangenheit) und du bist alleine stehen gelassen worden. Danach bist du dann ein ganzes Stück alleine unterwegs gewesen, bis du im Haus von S. deinen Mann an deiner Seite hattest. Da stirbt eine Frau (vielleicht das alte Traumforum?) noch sieht es eigentlich ganz gut aus, als werde sie wieder gesund, aber später ist sie tot und wird wiederbelebt...(Juhu, wir sind hier ;-)
Und sie freut sich immer noch, ihre alte Familie zu sehen, geht aber eigene Wege...Jupp, tun wir hier auch, von deiner "alten Familie" ist fast niemand mehr hier.

Um in diesem Interpretationsstrang zu bleiben greife ich noch kurz auf das Feuer zurück. Es sagt: "Ich werde jetzt stärker für dich. Aber du mußt die künstliche Ernährung abschalten." Bezieht man das auch auf das Traumforum, dann könnte man meinen: Jetzt geht es los. Allerdings mit der Warnung: nicht mehr künstlich ernähren. vielleicht nicht mehr so viele Artikel reinschieben? Die kommen schon von den anderen automatisch? Na ja, weiß nicht so recht... :schulter:

Ach ja, und dieses abgelesene Buch... ich habe gesehen, dass Xephyr ganz viele Texte reingesteckt hat ... von früher auch, vielleicht sind die das ja :-) Aber was machen dann die Spinneneier darin? Also du scheinst mit dem Teil des Erbes nichts anfangen zu wollen.

Was anderes ist mir einfach nicht eingefallen. Wahrscheinlich liege ich voll daneben mit meiner Interpretation, deswegen höre ich auch gleich schon wieder auf und überlasse den anderen das Feld für neue Ideen.

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Re: Tote zum Leben erwecken - aber richtig

Beitragvon Chloë » Do 4. Nov 2010, 17:43

Hallo Firlefunke,

danke, daß Du Dir Gedanken zu dem zugegebenermaßen furchtbar langen Traum gemacht hast. ;-)

Firlefunke hat geschrieben:also, ich habe mal über deinen Traum oder besser deiner Träume nachgedacht und habe überlegt, dass diese Träume so ganz für sich genommen, ohne sie auf irgendwas zu beziehen, sehr schwer zu verstehen sind.


Ja, das stimmt, leicht zu verstehen ist der Traum nicht. Als ich ihn hier schrieb, hatte ich auch noch keine rechte Idee dazu. Inzwischen sehe ich darin schon einen starken Aspekt meiner Teenyzeit. Das kann ich später gerne noch weiter ausführen. (Momentan bin ich schrecklich erkältet und lege mich gleich wieder ins Bett :krank: )

Nämlich bei der Variante "Deutung des Traums in Bezug auf das Traumforum".
Das ist natürlich vielleicht jetzt weit hergeholt und was hat das Traumforum denn nun mit so viel Tod und Wiederbeleben zu tun, ...


Ich find es so manches Mal schwierig festzustellen, worum es in einem Traum überhaupt erstmal gehen könnte. Insofern ist kein Thema für den Start zu weit hergeholt. Aber wenn man dann anfängt, den Traum auf dieses Thema hin zu deuten, merkt man sehr schnell, ob alles konsistent bleibt oder ob da doch eher Aussagen im Traum sind, die so gar nicht zum Thema passen. Dann verwerfe ich das gewählte Thema lieber und suche weiter. :lupe:

Bei Deiner Deutung paßt tatsächlich alles bis zu der Stelle mit meinem Schwiegervater. :ok: Ich find das toll, das ist doch schon ganz schön weit. Aber ab hier lassen sich meiner Meinung nach das Thema Forum und der Traum nicht mehr übereinanderlegen. :antenna:

Und diese Inkonsistenzen hast Du ja dann auch bemerkt. Ich find es aber schön, daß Du trotzdem Deine Deutung reingestellt hast. :ok: :ja:

Xephyrs Texte z.B. sind für mich natürlich nichts, was ich vor das Haus tragen müßte, um für mich unangenehme Spinnereien daraus zu entfernen. ;-) Die Spinneneier würden da tatsächlich wenig Sinn machen...

Und das mit der künstlichen Ernährung paßt insofern schlecht, weil ich ja dieses Forum nicht als bedrohlich empfinde und meine Beiträge mit viel Spaß hier reinstelle. Natürlich tue ich das, um das Forum ein wenig zu 'befüttern', aber bei so wenig Teilnehmern bleibt es eben nicht aus, daß zu vielen Themen noch keine Respons kommt. Mir fallen aber so viele Dinge ein, die ich unbedingt schreiben möchte, daß ich es einfach tue. :trippel:

Vielen Dank für Deine Gedanken, Firlefunke. :blume:

So, ich verschwind wieder im Bett... :teddy:

:knutsch: Deine Chloë
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