Die alte Gräfin

Träume erzählen, Träume miterleben, Träume deuten

Die alte Gräfin

Beitragvon oYo » Mi 15. Sep 2010, 14:11

Gestern Nacht hatte ich einen Traum, den ich gerne erzählen möchte:

Ich befand mich in einer riesigen Kirche, sie hatte eher die Dimensionen eines Doms. Hier fand eine Versammlung statt, die Kirche war voll mit Menschen. Es war irgendeine politische Veranstaltung, eine ernste Sache, wo debattiert, gewettert und gehetzt wurde - für mich eher ein unangenehmes Setting, das im Kontrast zu dem schönen, sonnendurchfluteten Kirchegebäude stand.

Ich hatte etwas von einem Terroranschlag munkeln hören, und im selben Moment flogen auch schon die Portale auf und eine große Horde Kinder stürmte herein. Die Kinder hatten Ballettkleidchen, Tütüs und andere bunte Sachen an, und verteilten an die Leute Rosen. Die Kinder gehörten alle zu einer Ballettschule oder irgendeinem Verein, und der Vorstand dieses Vereins, der sich auch auf der wichtigen Versammlung befand, hatte von dem 'Terrorakt' der Kinder keine Ahnung gehabt. Nun standen die Herren und Damen aus dem Vorstand mit stolz geschwellter Brust da, weil 'ihre Kleinen' so eine tolle Aktion gestartet hatten.

Wie mir das in Träumen manchmal so passiert, vergaß ich den ursprünglichen Grund der Versammlung und wußte nun, daß hier eine Hochzeit stattfand - was ein deutlich schöneres Gefühl war, als das am Anfang des Traums. Ich schaute zum Altar, wo der Priester gerade die Ehe vollzog. Wir waren jetzt in einem großen, wunderschönen Garten, in dem der Altar aufgestellt war. Darauf lag in einem goldenen Gewand die Braut: eine alte, kranke Frau, die im Sterben lag. Sie war die Frau des Grafen, der ihr mit dieser zweiten Hochzeit eine letzte Freude machen wollte. Als der Priester also seinen Segen gesprochen hatte, nahm der Graf die Hand seiner Frau und schaute sie freudig strahlend an. Dabei wirkte er gleichzeitig distanziert und kühl. Die Gräfin bäumte sich mit einem Stöhnen auf und starb. Ich dachte bei mir, daß sie sich vielleicht viel lieber gewünscht hätte, daß der Graf bei ihr allein am Bett gesessen und sie in den Tod begleitet hätte, anstatt so eine Hochzeit zu feiern.

Noch während die Gesellschaft abzog und auch der Graf wegging, bäumte sich die alte Frau erneut auf, warf ihren Kopf zur Seite - und ihr Blick traf mich (ich stand etwas abseits seitlich vom Altar). Meine Güte, die Frau lebte ja noch! Ich eilte an ihre Seite, und während ich ihre Hände nahm, merkte ich, daß ich nun allein mit ihr war. Hatte der Graf denn gar kein Interesse mehr an seiner Frau? Er mußte doch glauben, daß ihre Leiche hier lag, wollte er sie denn nicht beerdigen?

Aber die Frau lebte ja noch, und plötzlich befand sie sich in ihrem Bett in einem kleinen Gartenhaus, das sich in eine ganz besonders romantische Stelle des großen Gartens schmiegte. Zeit vergeht manchmal auf merkwürdige Weise im Traum, und so waren schon zwei Wochen um, in denen ich täglich an ihrem Bett saß, sie mit Essen und Trinken versorgte, wusch und mit ihr sprach. Jetzt sprach sie mich zum ersten Mal bewußt an und bat mich um einen speziellen Tee, den sie so gerne trank. Sie wirkte schon viel kräftiger und gesünder auf mich, ja fast sogar ein bißchen jünger. Während ich nach hinten in einen Raum ging, der mit zahlreichen Regalen gefüllt war, fragte ich noch, welches Kraut das denn nun sei. Die Gräfin stand auf und kam zu mir, jetzt sah sie noch jünger aus, vielleicht so um die 50. Sie zeigte mir den Tee, erzählte, wie lecker der sei und wie gut er tue. Der zubereitete Tee sollte in eine Flasche aus Glas, die 3 Liter faßte (ähnlich einer Vakuumfilterflasche, die wir hier bei uns stehen haben). Das Kräuterbehältnis war eine große Dose, die ganz hinten an der Wand stand.

An der Stirnseite der Wand befand sich ein Sicherungskasten. Darauf sah ich in meiner eigenen Schrift - allerdings sehr verschnörkelt - den Namen des Krautes stehen, auf Lateinisch oder Griechisch, ein sehr langer Name. Drumherum waren noch Blümchen und Herzchen gemalt. Ich erinnerte mich im Traum, daß ich mal nachts hier gewesen war, weil das Licht draußen im Garten nicht mehr anging, und die Sicherung wieder reingemacht hatte. Damals war ich in einem nächtlich berauschten Zustand gewesen und hatte aus tranciger Freude heraus den Namen des Krautes vom Behältnis abgeschrieben und ihn auf den Sicherungskasten geschnörkelt. Jetzt schimpfte die Gräfin darüber, daß sich fremde Leute erdreisteten, nachts in ihrem Haus herumzuschleichen (und damals war ich ja noch eine Fremde für sie). Das war mir nun schon etwas peinlich, aber ich gestand ihr, daß ich das war (und erinnerte mich daran, daß ich öfters in dem Haus herumgeschlichen war, während die alte Gräfin tief und fest schlief *erröt*).

Inzwischen war die Gräfin etwa mitte dreißig und schien nun ein stabiles Alter erreicht zu haben. Sie ärgerte sich noch ein bißchen über mich und verschwand in einem Nebenraum, um zu duschen. Ich ging ihr nach und sah, daß vor der Badezimmertür ein Brett stand. Es stand so unter der Türklinke, daß man sie nicht mehr richtig runterdrücken konnte. Komisch, wie war denn dieses Brett dahingekommen? Ich stellte es zur Seite, denn ich wollte ja, daß die Gräfin ihr Bad auch wieder verlassen konnte. Jetzt kam sie nackig heraus, frisch geduscht, jung, kräftig, lebendig, immer noch ein bißchen wütend auf mich.

Dann zog sie mich aber zu sich heran und sagte, sie hätte sich in mich verliebt. Sie wolle sich von ihrem Mann scheiden lassen, und dann könnten wir beide doch zusammen leben. Sie küßte mich und streichelte mich zärtlich. Das war sehr angenehm, aber verliebt war ich in sie nicht. Ich trat einen Schritt zurück, zeigte ihr meinen Ehering und sagte: "Ich bin doch mit Xephyr verheiratet". Jetzt war sie wieder wütend: "Wieso hast du mir nichts davon erzählt? Du hättest mir viel früher davon erzählen müssen!" Ich antwortete: "Du warst doch krank und kaum bei Sinnen. Und du hast mich nie nach meinem Leben gefragt." Sie lief beim Reden zornig auf und ab, nackt wie sie war, und ich muß zugeben, daß das ein erregendes Bild war, voll Leben und Kraft - ganz anders als die alte, fast tote Gräfin. Ich sagte zu ihr, daß wir ja mal mit Xephyr drüber reden könnten. Das fand sie aber überhaupt nicht gut.

Es gab einen Szenewechsel. Ich befand mich jetzt in einem anderen Gartenhaus, in dem ich mit Xephyr lebte. Ich wuselte gerade im Haushalt herum, als die junge Gräfin ins Zimmer kam und mich freudig begrüßte. Ich fragte sie, ob sie Xephyr schon kennengelernt habe. Sie sagte: "Den habe ich eben kurz getroffen, hab aber nicht weiter mit ihm gesprochen." Ich rief nach Xephyr, der mir aus dem Keller antwortete. Ich nahm die Gräfin an der Hand und ging mit ihr die Treppen hinunter. "Xephyr", sagte ich, "dies ist die Frau, von der ich dir erzählt habe. Bitte sag du ihr jetzt nochmal klipp und klar, daß wir miteinander verheiratet sind und daß ich sie nicht als Partnerin haben will." Ich wollte, daß sie den Tatsachen ins Auge sieht.

Xephyr zog die Gräfin zu meiner großen Überraschung zu sich heran, nahm sie in den Arm und gab ihr einen sinnlichen Kuß. Und dann umschlangen wir uns alle drei... :mm:

Das war mein Traum. Ich habe mir noch keine Gedanken um seine Bedeutung gemacht, habe aber jetzt beim Schreiben den ein oder anderen Gegenstand plötzlich wiedererkannt. Ich weiß aber noch nicht, wer Graf und Gräfin sind und was hier geschehen ist. :hmm: Hat jemand vielleicht Ideen oder eine Deutung? :lupe:

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Re: Die alte Gräfin

Beitragvon Chuldah » Mi 15. Sep 2010, 19:53

Der Beitrag von Chuldah wurde ihrem Wunsch gemäß gelöscht.
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Re: Die alte Gräfin

Beitragvon oYo » Do 16. Sep 2010, 19:32

Hallo Chuldah,

uff, bin ich geschafft, ich hab heute den ganzen Tag aufgeräumt. Morgen kommt Besuch, darum werden wir wohl leider dieses Wochenende nicht oder nur kurz im Forum vorbeischauen. Aber nächste Woche sind wir wieder online. :pc:

Danke für Deine ersten Ideen zum Traum. :blume: Xephyr und ich haben gestern auch darüber nachgedacht und gesprochen und haben ein paar Dinge herausgefunden. Davon schreibe ich dann aber erst nächste Woche, weil wir jetzt auch noch zu tun haben. :antenna:

Die Kinder als 'kleine Ängste' - hmm, das entspricht nicht ganz dem Traumgefühl. Sie haben eher mit ihrer Freude und ihren Blumen das ernste, fast unangenehme Diskussionsthema verbannt. Sie waren also eher kleine Liebesfunken, die durch die Versammlung gehüpft sind...

Wir sind auch zu dem Schluß gekommen, daß die Frau mich selbst darstellt. Das war mir im Traum selbst natürlich nicht ersichtlich, aber wie Du schon schreibst, bringt Xephyr Klarheit in die Frage, wer mit wem zusammen ist. ;-)

Ich hab auch als allererstes gedacht, der Traum sagt vielleicht etwas zum Forum oder zu meiner Arbeit. Die Kräuter und die Flasche waren vor allem für mich ein Indiz dafür. Aber inzwischen haben wir eine andere Perspektive gewonnen und glauben, daß die Gräfin nicht aus der Zukunft, sondern aus der Vergangenheit kommt. Aber das beschreibe ich nächste Woche noch genauer.

Ich träume mich mal in die von Dir angedeutete Perspektive rein, vielleicht ergibt sich daraus ja eine völlig neue und andere Traumdeutung. :lupe: Das ist ja schön, wenn man gleich mehrere Bedeutungen entdecken kann. :-) Und falls Dir noch etwas dazu einfällt, bin ich natürlich neugierig darauf. :grins:

Hast Du Lust, Deinen Traum von dem alten Paar zu erzählen? Oder einen anderen?

Schönes Wochenende!
:hug: oYo
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Re: Die alte Gräfin

Beitragvon Chuldah » Do 16. Sep 2010, 22:02

... gelöscht.
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Re: Die alte Gräfin

Beitragvon oYo » Fr 24. Sep 2010, 17:05

Hallo Chuldah, :sonne:

so, nun neigt sich die Woche ihrem Ende entgegen, die meisten Arbeiten sind erledigt, und ich kann mir Zeit nehmen, um noch ein paar meiner eigenen Gedanken zu diesem Traum zu beschreiben.

Der Terrorakt war tatsächlich eine unterschwellige Befürchtung, die durch den Raum ging. Aber als die Kinder hereingehüpft kamen, war es eine Erleichterung und die Leute fingen an zu lachen und sich zu freuen.

Tatsächlich habe ich das Gefühl, daß in dieser Kirche eine Thematik diskutiert wurde, über die ich in der Zeit vor dem Traum nachgedacht habe. Und wie es aussieht, ist anstatt der kleinen Ängste, die ich diesbezüglich hatte, ein schönes Ereignis eingetreten: die Gräfin ist aus meiner Vergangenheit zu mir gekommen und hat sich mit der gegenwärtigen oYo wieder vereint. Zerissen war ich in dem Sinne vorher nicht, da gebe ich Dir Recht. Aber anscheinend ist doch ein Wesenszug von mir für ein paar Jährchen ins Unbewußte abgetaucht, um jetzt wieder hervorzutreten.

Den Grafen verstehe ich in diesem Zusammenhang als ein Sinnbild für meinen ersten Partner. Die Gräfin wünschte sich, mit ihm gemeinsam zu sterben, also eine Art chymische Hochzeit, ein Einswerden mit ihm zu erleben. Doch der läßt sich nicht darauf ein oder versteht sie vielleicht auch falsch und glaubt, sie will nochmal im wörtlichen Sinne heiraten. Dieses Mißverständnis führt dazu, daß die Gräfin allein stirbt und sich dann, enttäuscht vom Lebenspartner, zurückzieht - sprich: Ich habe den Wunsch nach dieser Art der Vereinigung irgendwann einmal aufgegeben und den Glauben daran verloren, daß sie überhaupt möglich ist.

Deshalb verwundert es auch nicht weiter, daß die Gräfin als Sinnbild dieses Wunsches von Xephyr ersteinmal nichts weiß. Geweckt habe ich sie durch das Schreiben des Namens ihres Lieblingskrautes auf den Sicherungskasten in ihrem Gartenhäuschen. Sie schlief ja tief und fest und wachte nie auf, wenn ich in ihr Haus kam. Nunja, also Sicherung rein und damit das Licht/den Wecker einschalten. :grins:

Natürlich ist es dann auch kein Wunder, daß sie mit mir zusammen leben will. Klar, der Wunsch kehrt zur Wünscherin zurück. :knautsch: :lach: Alles in allem war der Traum ein romantisches Erleben - ein Wiederentdecken alter Vorstellungen und Gefühle. :sterne:

Und nun hinein ins Wochenende!
:wink: oYo
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