Universelle Liebe

Magyrischer Schnickschnack und Esoterisches Allerley

Universelle Liebe

Beitragvon oYo » Fr 26. Aug 2011, 17:48

Hallo liebe Leute,

neulich habe ich in einem anderen Forum geschrieben und bin dabei über diesen Begriff gestolpert. Ja, die vielzitierte universelle Liebe, die sich so viele Menschen als Ziel stecken, was ist das eigentlich? Viele beschreiben sie als die Liebe, die alles Leben umfängt, da wird jeder geliebt, selbst der fieseste und grausamste Mensch, denn schließlich ist auch er ein Geschöpf dieser Welt und hat Liebe und Verständnis verdient. Die universelle Liebe soll einen Menschen zu einem höheren Sein begleiten, wer sich mit ihr verbinden kann, der hat es schon weit geschafft. :beam:

Aber ist es Euch auch schonmal passiert, daß Ihr Euch mit jemandem unterhaltet, also von Angesicht zu Angesicht, nicht per Schreibe im Internet, der von sich behauptet, die universelle Liebe bereits zum größten Teil verwirklicht zu haben und der auch wirklich strahlende Augen und ein sanftes Lächeln hat. Aber dann kritisiert man etwas, was er gerade gesagt hat, he, die Kritik ist nichtmal bös formuliert, eher ein Einwand, den man möglicherweise auch gleich mit Beispielen und nachvollziehbaren Argumenten untermalt. Und mit einem Schlag schwindet das sanfte Lächeln aus dem Gesicht und man wird in einer Art angegiftet, die dem Härtegrad des Einwands irgendwie unangemessen erscheint. :schimpf:

Was ist das für eine Diskrepanz, woher kommt die? Sollte nicht jemand, der in der universellen Liebe ruht, freundlich, offen und nett sein? Ist man als Kritiker denn von dieser Liebe ausgegrenzt? :hmm:

Ich habe mir darüber in den letzten Tagen Gedanken gemacht und mich gefragt, was man eigentlich tun muß, um die universelle Liebe fühlen zu können. Wie ist das denn, wenn ich jemandem begegne, den ich nun wirklich nicht leiden kann, vielleicht weil er stinkt oder mich neulich in einem Nebensatz beleidigt hat. Also, das ist ja nun wirklich kein Grund, ihn deswegen gleich abzulehnen. Aber um ihn lieb zu haben, muß ich schon ein bißchen Abstand einnehmen - Abstand von meiner Wut und meinem Widerwillen gegen seinen Geruch (für den kann er schließlich nichts), aber auch innerlichen Abstand von ihm, damit ich seine in meinen Augen unangenehmen Seiten nicht mehr so deutlich sehen kann. Ja, da reichen eigentlich nur zwei oder drei innerliche Meter, dann kann ich diesen Menschen lieben. Denn ich sehe ja aus der kleinen Entfernung auch all die positiven Eigenschaften, die er hat. :ok:

Und was ist mit der Nachbarin, die regelmäßig an meinem Garten vorbeigeht, lauthals auf mich schimpf und mit ihrem Stock die Köpfe meiner Blumen absäbelt? Die kann ich auch lieben, der Abstand zu ihr müßte allerdings schon etwas größer sein. Da ich sie nur garstig erlebe, stelle ich mir vor, daß sie im Grunde ein ganz netter Mensch ist. Sie hat halt ein schweres Leben gehabt und wahrscheinlich haßt sie meine Blumen so, weil ihr Duft sie an ein schreckliches Erlebnis in ihrer Kindheit erinnert. Überhaupt hat sie ja niemanden, der sich um sie kümmert, und in ihrer Einsamkeit hungert sie eigentlich nach Liebe, die ihr keiner schenkt. :sad:

Und was ist mit dem schmierigen Typen, der mir in meiner Teenyzeit immer nachgelaufen ist und mich mit fiebrigen Augen angestarrt hat? Da habe ich ja inzwischen auch einen zeitlichen Abstand, und ich kenne mich gut genug mit Psyche aus, um zu wissen, daß er leider psychisch krank war. Aber ich muß dann schon Abstand einnehmen zu meinem Erlebnis von damals und zwar ziemlich großen Abstand...

Naja, ich denke, man sieht schon, worauf ich hinauswill. Je krasser, schlimmer und unliebenswerter ein Mensch uns erscheint, desto größer muß der Abstand sein, den ich einnehme, um ihn in meine universelle Liebe mit reinnehmen zu können - und zwar nicht nur der Abstand in der Perspektive, die ich auf ihn nehme, sondern auch der Abstand zu meinem inneren Gefühl, zu meiner Abscheu, meiner Angst, Wut und Verzweiflung, zu meinem Gefühl des Grauens, wenn ich an echte Schwerverbrecher denke. Alles im Namen der universellen Liebe. :ja:

Und irgendwann bin ich meinen Gefühlen und den anderen Menschen so fern, daß ich jeden lieben kann. Alle Menschen und Lebewesen sind gleich viel wert für mich, jeder hat in meiner eigenen Welt seinen Platz und darf dort existieren, ja, meine universelle Liebe ist so groß, daß ich sie auf der höheren Seelenebene zu mir einlade und ihnen Gastfreundschaft gewähre, sie alle dürfe in meiner großen Liebe in mir existieren. :herzrot:

Es gibt Situationen, in denen mag diese Art der Liebe sicherlich Sinn machen. Es ist ein psychischer Prozeß, der mich vielleicht von einer eigenen schweren Verletzung so weit entfernt, daß ich überhaupt überleben kann. Und natürlich habe ich auch wirklich Mitgefühl mit der zeternden Nachbarin, auch wenn ich mich gleichzeitig über sie ein bißchen ärgere. Also ja, dieses Gefühl hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Was ist aber, wenn ich mich ständig damit verbinde, es immer und immer wieder aufsuche, um das große Ziel der universellen Liebe zu verwirklichen? Ich fürchte, es kommt eines Tages der Punkt, daß man sich so weit von sich selbst und den anderen entfernt hat, daß man gar nichts mehr fühlt - selbst die große Liebe ist nur noch ein vorgegaukeltes, oberflächliches Gefühl, das kaum die Oberfläche eines stillen Sees zum erzittern bringen kann - leidenschaftslose Liebe, ohne Feuer, ohne Körperkontakt, ohne Atem, ohne Lebensglut. Die universelle Liebe führt, im Extremum gelebt, zu einer Entfremdung von der Menschlichkeit. Sicherlich fühle ich mich dort gut, es ist wie ein Schweben, eine Trance der Leichtigkeit, eine Verbindung zum Himmel, eine geistige Ekstase. Aber diese Ekstase ist leider leider so abgekühlt und dünn, daß sie vom leisesten Windhauch verweht werden kann. Tja, wenn dann jemand kommt und mir ein kleines Bißchen Gegenwind gibt, dann wird der zarte Schleier der universellen Liebe davongeweht, und darunter kommt die schreckliche Erkenntnis zum Vorschein, daß man im Grunde gar keinen echten Kontakt zu seiner eigenen Liebe und Leidenschaft mehr hat. Denn eines Tages sitzt man dann der Person gegenüber, die man bisher am meisten geliebt hat. Und dann merkt man, daß man sie genauso liebt wie alle, daß sie genauso viel wert ist wie alle - und einem deswegen gleichgültig geworden ist. :glubsch: Welch eine Grausamkeit, jemanden mit dieser Tatsache zu konfrontieren, daß nun alle Wesen vor seinem eigenen Gefühl gleichgültig geworden sind! Mich jedenfalls wundert der plötzliche giftspritzende Wutausbruch des universell Liebenden nicht mehr. :nope:

Das soll aber nicht heißen, daß es keine Orte der Liebe gibt, die wir in unserem ganz persönlichen Erleben als allumfassend, göttlich und ekstatisch empfinden. Ohja, diese Liebe gibt es, und ich kann sie spüren, wenn ich mich mit Seele verbinde. Diese Liebe ist bedingungslos, sie ist warm, leidenschaftlich und lebendig. Aber sie ist etwas unglaublich Persönliches, sie ist eine Verbindung zu meinen Tiefen, sie hat ganz und gar etwas mit mir selbst zu tun, sie verbindet sich mit meinem Gefühl, sie akzeptiert meine Angst und meine Wut und geht mit ihnen um. Und aus dieser sehr persönlichen Liebe heraus kann ich Kraft schöpfen, ich kann mich selbst besser verstehen und auch meine Mitmenschen. Aber sie hilft mir auch zu unterscheiden, denn wenn ich die Grausamkeit von anderen wahrnehme, dann kann ich diese deutlich in mir spüren. Und grausame Menschen lasse ich nicht in mein Seelenleben ein, die sollen schön draußen bleiben. Denn sie verursachen Schmerzen, die ich nicht erleben will und die niemand erleben sollte. Das ist für mich Liebe. :mm:

Liebe ist persönlich, sie stellt einen Bezug und eine Nähe her zwischen mir und den Menschen, die ich liebe. Sie ist individuell, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, sowohl in Qualität als auch in Quantität. Ich stehe dazu, daß für mich nicht jeder gleich viel wert ist, ja daß es Menschen gibt, die ich tatsächlich verachte, ablehne, hasse, nicht mag, nicht will, schrecklich finde oder doof, die ich verabscheue und die in mir Ekel erzeugen. Ich lade diese Menschen nicht zu mir ein, ich lade sie aus, mit denen will ich nichts zu tun haben. Und dazu stehe ich auch. :ja: Nur so kann ich meine Liebe und Leidenschaft leben, indem ich in Verbindung bleibe, nicht, indem ich Abstand nehme...

Alle hier genannten Personen sind erfunden, Ähnlichkeiten sind zufällig und unbeabsichtigt. :grins:
Kommentare, Anmerkungen und Meinungen sind hochwillkommen. :blume:

oYo :galaxy:
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Re: Universelle Liebe

Beitragvon Siskana » Fr 4. Nov 2011, 10:17

schiff ahoi,

das sehen oder empfinden, oder auch sich in ihr bewegen der universellen liebe, befreit noch lange nicht von den grenzen.
ich glaube umso mehr man sich in dieser universellen liebe befindet um so mehr hat man kontakt mit diesen grenzen. aber diese erkenntnis beruht eher auf eigene erfahrungen.
umgedreht kann dies genauso sein. ich kann mich auch in der universellen angst bewegen. ich erinnere nur an so vielzahl von phobien.

der mensch ist materie und seele, bewege ich mich nun nur im seelenteil, entsteht unverständnis, denn ich klammere ja die materie aus. dieses unverständnis ist es die dann die einzelne person verletzt und sie so reagieren läßt, welches du wiederum nicht verstehst und dich wieder verletzt fühlen kannst.

dieses unverständnis ist weder "gut" noch "böse" und doch verletzt es, aber nur deshalb, weil man den anderen nicht sieht, sieht man den anderen nicht, sieht man sich selbst auch nicht, denn wie gesagt wir sind menschen aus materie UND seele.

kommt die wertigkeit einer person nicht aus der eigenen wertigkeit? meiner meinung hat dies nichts mit der universellen liebe gemein, für mich ist sie nur ein zustand.

so meine erfahrung und mein einfaches verständnis zu diesem thema.
lg siskana
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