Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

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Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon Chloë » Fr 12. Nov 2010, 14:32

Hallo,

ich habe eben diesen Text hier gelesen: Über die Sigillenmagie von Xephyr. Offensichtlich ist dies ein sehr alter Text, denn ich bin mir ziemlich sicher, daß Xephyr heutzutage darüber ein wenig anders denkt.

Denn während er sich in diesem Text vom dilettantischen Angang der Hexen-Szene abgrenzt, enthält dieser meiner Meinung nach doch einiges dummesoterisches Gedankengut. Xephyr, nicht böse sein, wenn ich das so schreibe. Du weißt, daß ich zur selben Zeit, da Du diesen Text schriebst, tief in der Esoterikszene herumgetanzt bin und so manchen Schwachfug hochgehalten habe. :lach: (Möglicherweise tue ich das sogar heute noch? Fragt mich einfach in 10 Jahren nochmal. :glubsch: ;-) )

Tatsächlich habe ich gar nicht wirklich viel Ahnung von Sigillenmagie. Als ich ebenjene ausprobierte, bewirkten die Sigillen absolut gar nichts. Das mag daran liegen, daß ich definitiv nicht vergessen konnte, welche Sigille für welchen Wunsch stand, und als ich es vergessen hatte, machte es dann auch keinen Unterschied mehr. Denn sollte sich einer der Wünsche erfüllt haben, dann weiß ich es eben nicht, weil ich mit der Sigille auch vergessen hatte, was ich mir gewünscht hatte. :wirr:

Heute bin ich der Meinung, daß es unsinnig ist, eine Sigille vergessen zu müssen, damit sie wirkt. Dahinter steckt sicherlich eine Erfahrung, die jeder schon einmal gemacht hat: Man wünscht sich etwas gaaanz unbedingt und tut alles dafür, um es zu erreichen, aber es will und will nicht klappen. Und dann irgendwann ist man so frustriert, daß man den Wunsch aufgibt. Und siehe da, wenige Tage später ist der Wunsch erfüllt. Mich haben solche Erlebnisse noch viel mehr frustriert, als wenn der Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Was soll ich noch mit dem tollen Schokoladenkuchen, den ich immer haben wollte, wenn mir meine Lust auf Schokoladenkuchen gänzlich vergangen ist? Das grenzt schon fast an Zynismus. :schreck:

Auch die Perspektive des Textes auf die Formulierung des Wunsches kann ich so nicht teilen. Ich glaube, daß Seele durchaus zu solchen Eulenspiegeleien in der Lage ist und daß dies dem Charakter und den Weltbildern des Zauberers entsprechend auch geschieht. Aber ganz ehrlich, Seele oder unser Unbewußtes oder das Unvirsum oder wen auch immer der Zauberer da anspricht ist doch nicht blöd! Wie ich (und auch Xephyr) inzwischen in meinen Träumen erlebt habe, versteht Seele oft sehr gut, was wir fühlen und wünschen. Da braucht man keine ausgefeilte sprachliche Formulierung, die auch bestimmt den Tod des Verwandten ausschließt und am besten auch alle anderen möglichen unerwünschten Nebenwirkungen. Ich glaube, so eine Wunschformulierung ist gar nicht möglich. Seele ist sehr erfinderisch - man denke nur an die bunte Vielfalt der Träume, die wir jede Nacht erleben - und wird sich durch eine sprachlich wohldefinierte Wunschformulierung sicherlich nicht begrenzen lassen. :nope: In meinen Augen behindert dies sogar eher die Erfüllung des Wunsches, weil es Unlust erzeugt und den Spaß und den Genuß am Wünschen zerstört. :grmpf:

Ich denke, der Knackpunkt liegt an einer ganz anderen Stelle. Nämlich, daß Seele nicht unsere Wunscherfüllmaschine ist, wo man auf der einen Seite seinen Wunsch reinsteckt, und dann kommt durch Abarbeiten verschiedenster Zaubertechniken und Rituale auf der anderen Seite die Wunscherfüllung heraus. Nö, so geht das nicht - ist zumindest meine bescheidene Lebenserfahrung. ;-)

Seele ist ein Wesen, das in vielen Dingen völlig anders repräsentiert als wir. Und Seele hat Möglichkeiten, Geschehnisse in unser Leben zu bringen, die uns weiterhelfen können. Aber ich glaube, dazu gehört eine gute Kommunikation und ein Verständnis auf beiden Seiten. In menschlichen Konzepten ist Seele zunächst etwas Jenseitiges. Und um dies in unser durchaus diesseitiges materielles Leben zu holen oder treten zu lassen, bedarf es schon des Mutes, sich diesem Wesen zu öffnen und ihm zu erlauben, sich im eigenen Leben zu entfalten. Dazu gehört eine Menge Vertrauen, auch hier wieder von beiden Seiten, und das herzustellen, ist schon eine Aufgabe für sich. Wer aber mit Seele kommuniziert - was zum Beispiel in den Träumen geschieht - wird mit dem wachsenden Verständnis von Seele begreifen, daß Wünsche eine wundervolle Möglichkeit sind, gemeinsam unglaublich faszinierende Dinge auf die Welt zu bringen - wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, auf eine gefühlvolle seelischmenschliche Weise zu entstehen und sich zu entfalten... :sterne:

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon Xephyr » Fr 12. Nov 2010, 17:05

Liebe Chloë!

Erstmal vielen Dank für deinen ausgiebigen und interessanten Kommentar! :thanks:
An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, daß diese Texte auch eine Einladung zur Kommunikation darstellen. Normalerweise kriegt man das bei solchen Texten über Magie ja nicht, die Autoren verstecken sich in aller Regel und antworten weder auf Kritik noch auf Nachfragen!

Eine Anmerkung und Ergänzung zu deiner Kritik bzgl. der "Eulenspiegeleien" des Unbewußten habe ich allerdings: Es gibt nicht selten Situationen, in denen magisch denkende und handelnde Menschen ihr Unbewußtes als eine Art "Wunscherfüllungsmaschine" begreifen. In diesen Fällen herrscht in aller Regel die goetische Geisteshaltung vor, man müsse Geister und Dämonen dazu zwingen zu tun, was man will. Es wird rigoros gefordert, geknechtet und unterdrückt. In diesen Fällen kommt es sehr oft zu den von mir beschriebenen Zusammenhängen. Das Unbewußte, die Seele, reagiert natürlich unterschiedlich, die Eulenspiegelei ist eine davon. Denn Eulenspiegel hat durch die wörtliche Ausführung von Regeln und Anweisungen seinen Trotz und seine Revolte zum Ausdruck gebracht. Das ist eine Form von Widerstand! Auch der "Dienst nach Vorschrift" ist ein solcher Widerstand und als solcher zu begreifen und zu beachten.

Insofern ist der Text immer noch aktuell. Er ist nur aus dem damaligen Zusammenhang gerissen worden und deshalb fehlte ihm der jetzt hiermit ergänzte Kommentar. Danke nochmal für den Hinweis!

Liebe Grüße

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon Chloë » Fr 12. Nov 2010, 17:30

Hallo Xephyr,

ja, das sehe ich natürlich genauso wie Du. Das meinte ich damit, daß Seele bei entsprechendem Charakter und Weltbild so reagieren kann. :ja:

Nur glaub ich, daß solche Leute durch eine penibel ausgefeilte Wunschformulierung genauso wenig zum Ziel kommen. Vielleicht wird sogar der Widerstand des Unbewußten umso ausgefeilter und subtiler, je ausgefeilter und subtiler die Wunschformulierung in die Sigille geschmiedet wird. :roll:

Und nochmal zu der Sache mit dem Vergessen (das fiel mir eben ein, als ich unten im Garten war). Es geht hier ja um das Wünschen mit Hilfe des Unbewußten. Ich denke aber, die Grundannahme, das Unbewußte könne erst agieren, wenn das Wunschmedium vergessen sei, ist falsch. Die Kommunikation mit dem Unbewußten findet zu jeder Zeit statt und bedeutet ständigen Austausch und Interaktion mit unserem Bewußtsein. Wie sonst könnten wir so gut (über-)leben, wenn nicht unser Unbewußtes so viele Aufgaben für uns erledigen würde? :kratz:

Der Wunsch, sei er nun in eine Sigille gegossen, in ein Bild, ein Gefühl oder einen Traum, kommt im Unbewußten an, egal ob wir weiter darüber nachdenken oder nicht. Was es damit dann anstellt, wissen wir nicht, es geschieht ja unbewußt. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie das Pflanzen eines Samens: Ich kann ihn einpflanzen und in Ruhe lassen, und vermutlich wird er heranwachsen, solange er nur genügend Wasser bekommt. Ich kann aber genauso gut jeden Tag gucken, ob schon etwas Grünes herausspitzt, das wird den Samen weder daran hindern zu keimen noch ihn dazu überreden, schneller zu wachsen. :duft:

Und der sogenannte grüne Daumen hat meiner Ansicht nach doch eher damit etwas zu tun, daß man für die Pflanze optimale Bedingungen schafft, für die richtige Erde, den passenden Standort und die angemessene Erdfeuchte sorgt. Und weniger damit, daß man sie vergißt und sich nicht mehr darum kümmert. Zumindest für eine Zimmerpflanze bedeutet das früher oder später das Aus. Draußen hat die Pflanze bei guter Witterung natürlich eine reale Chance, auch ohne meine Aufmerksamkeit zu gedeihen. :radie:

Natürlich halte ich ein 'Overdoing' für genauso kontraproduktiv. Optimale Lebensbedingung heißt eben oft nicht, jeden Tag gießen und in die pralle Sonne stellen. :sonne: Und so ist es mit den Wünschen sicherlich auch. Sie brauchen ihren 'Freiraum', um sich adäquat materialisieren zu können...

Hmm, ich gerate ins Schwätzen. :klug: Ich hör jetzt besser auf. :weg:

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon oYo » Do 25. Nov 2010, 18:39

Hallo Magier, Träumer und Abyssdiver,

ich habe den Thread aus dem Oneiroglyphikon mal hierher verschoben. Im Lauf der nächsten Woche habe ich zu dem Thema nämlich noch ein bißchen was zu sagen. Ich will aber erstmal die einschlägigen Texte von Spare nochmal durchlesen, um über seine Perspektiven zusammenfassend etwas zu schreiben. :grins:

Vielleicht hat der ein oder andere zu dem Thema ja auch etwas zu sagen? :lupe:

oYo :zauber:

Nachschlag vom 5.12.2010: Ich bin dran und habe einen Teil meines Beitrages schon fertig. Da letzte Woche immens viel bei uns zu tun war und auch nächste Woche viel sein wird, kann es leider noch ein bißchen dauern... :wave:
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Sigillenmagie nach Austin Osman Spare

Beitragvon oYo » Mi 29. Dez 2010, 14:07

Hallo Ihr Lieben,

endlich finde ich die Muße, den Beitrag über Spare zu schreiben. Es hat etwas gedauert, allerdings habe ich auch ein bißchen gelesen und Notizen gemacht, die jetzt schon seit ein/zwei Woche darauf warten, ausformuliert zu werden... :dicht:

***

Quelle: Das Buch der Freude
(Selbstliebe)
Die Psychologie der Ekstase
von Austin Osman Spare
(Ich verwende hier bewußt Begriffe und Sprachformulierungen von Spare, um einen Eindruck seines Denkens zu vermitteln. Die Zitate sind in kursiver Schrift geschrieben und stammen alle aus dem 'Buch der Freude'.)

***

Kia und die Welt der Dualität und des Glaubens

Spare war ein Freidenker seiner Zeit, ein Künstler und Magier, der sich nicht nach den Normen und Vorstellungen anderer Magier richtete und keinem Orden angehörte. Doch trotz seines Freidenkertums findet man in seinen Vorstellungen und Theorien die Faszination der östlichen Philosophie wieder, die vor allem durch Blavatsky Einzug in die westliche Magieszene gefunden hatte. Sein Weltbild beruhte auf der Vorstellung der Dualität und des Seins jenseits aller Dualität: das Kia. Er war der Begründer der Sigillenmagie, die er in dem 'Buch der Freude' vorstellt.

Nach Spare lebt der Mensch in einer Welt der Dualität. Das Bewußtsein kann die Welt nur in Gegensätzen begreifen: denkt man Mann, so denkt man automatisch Frau, denkt man Geschlechtsloser, so denkt man automatisch Hermaphrodit. Darum bleiben auch Überlegungen und Theorien über das Selbst stets im Widerstreit gefangen, das duale Denken und Nachdenken verstärkt die Gegensätze sogar noch und führt nicht zu dem gewünschten Ziel - das Selbst selbst - sondern davon weg. Diese Welt der Dualität wird gestützt und verstärkt durch den Glauben, durch Glaubenssätze, die im Unbewußten verankert sind und uns tagtäglich beeinflussen. Der Glaube ist ein gesellschaftlicher, moralischer, religiöser, wissenschaftlicher, politischer, sozialer Glaube, d.h. wohin auch immer man sich wendet, wird man mit diesen Glaubenssätzen angefüttert.

Das Kia hingegen ist die absolute Freiheit in jedem Augenblick, die Freiheit von Dualität und Glauben. Es ist der Archetyp des Selbst, das unmodifizierte "Ich" in der Wahrnehmung des Allgegenwärtigen. Beim Versuch der (gedanklichen) Aufhebung von Dualität kommt man zum Weder (weder das eine noch das andere), das in sich auch ein Konzept ist und aufgrund der Dualität des Bewußtseins automatisch ein weiteres Weder erzeugt. Darum bezeichnet Spare die konzeptionelle Annäherung an das Kia auch oft als Weder-Weder.

Beständiges Nachdenken über das Selbst führt also zu inneren Konflikten, stets bezieht man Position, um die eine oder andere Seite zu vertreten. Darum fordert Spare, in dieser Welt der Dualität immer zu lachen, alles anzuerkennen und keinen Widerstand zu leisten. Nur durch Nicht-Widerstand können die dualen, widerstreitenden Gedanken und Überlegungen reifen und verfallen, so daß sich der Widerspruch auflöst und die ursprüngliche Einheit und Einfachheit wieder hervortreten. Nicht-Widerstand bedeutet ein Macht nichts - Erfreue dich selbst. Daraus folgt ein Zustand ohne Konflikt oder Zwang, jenseits von Konzeption. Das Ich ist im Zustand des Macht nichts - Muß nicht sein. Außerhalb davon gibt es nichts, es ist allein ewig und vollkommen, wahre Freiheit und Existenz. Das ist der Zustand der Ekstase, Wohnort von Kia, Befreiung von Dualität und Zeit. Hier gibt es kein Leid mehr und jeder Wunsch wird sich erfüllen, alles wird wahr, was man glaubt und wünscht. Kia ist also die höchste Glückseligkeit, die Kunst der Selbstliebe, die Psychologie der Ekstase durch Nicht-Widerstand.

***

Die Todesstellung

Um diesen Zustand erreichen zu können, beschreibt Spare die Todesstellung. Die Todesstellung ist das Ende der Dualität des Bewußtseins, der Tod des Glaubens. Mit der Todesstellung meint er aber weder den Schlaf noch den wirklichen Tod. Diese begreift er als Erholung von der Gebundenheit an das Gesetz. Die Todesstellung hingegen ist die Aufhebung des Gesetzes. Der Glaube ist tot, der Zustand des Weder-Weder erreicht. Das ist die Wiederherstellung der neuen Sexualität und die ursprüngliche Selbstliebe in Freiheit, die Emotion des Lachens und der Ekstase.

Spare empfiehlt, die Todesstellung täglich zu üben, bis diese Emotion beständig wird, sich in das Sein des Menschen integriert und man das Zentrum seines wahren Verlangens erreicht hat. Folgendermaßen kann man die Todesstellung erreichen:

1. Zunächst starre dein Spiegelbild solange an, bis es vor deinen Augen verschwimmt und verschwindet. Dann schließe die Augen und betrachte die leuchtende Form, die du nun siehst. Allmählich stellt sich ein Gefühl von Unermeßlichkeit ein.
2. Als nächstes stelle dich auf die Zehenspitzen, Hände hinterm Rücken verschränkt, Kopf im Nacken, aufs äußerste angespannt. Atme tief und krampfartig, bis Schwindel und Erschöpfung auftreten.
3. Jetzt lege dich entspannt auf den Rücken, lächle, sei im aufnahmebereiten Zustand, atme tief und erlebe den Moment jenseits von Zeit und Dualität.

Letztendlich sind dies Techniken, um Trance zu induzieren. Die Todesstellung, die Spare anstrebte, war also ein spezielles Tranceerlebnis, das mit Erschöpfung, Nicht-Widerstand und Ekstase einherging. Allerdings möchte ich hier gerne anmerken, daß gerade die zweite Übung sehr schnell auch zu einem Zustand der Gefühllosigkeit führen kann. In Trance sein - jedoch ohne Gefühl - führt aber leider nicht zu Ekstase. Darum empfehle ich denen, die diesen Zustand erreichen wollen, andere und bessere Tranceinduktionen zu nutzen.

***

Sigillen - die Psychologie des Glaubens - Magische Besessenheit

Magie ist die Zurückführung der Fähigkeiten zu Einfachheit, um sie durch Lenkung aufs neue anzuwenden, ohne nach Gewinn zu streben, dennoch oftmals von Erfolg gekrönt.

Sigillen sind die Kunst des Glaubens, meine Erfindung, um den Glauben organisch zu machen, ergo, zu wahrem Glauben!

Spare nennt einen Glauben, der fest im Unbewußten verankert ist, auch einen organischen Glauben. Er ist also ein fester Bestandteil unseres Seins, der sich nicht durch einfaches Überlegen oder eine gedankliche Entscheidung abstreifen läßt. Genauso schwierig ist es, neue Glaubenssätze in sein Wesen zu integrieren. Denn wenn der bereits vorhandene organische Glaube, der sich durch Gesellschaft, Religion, Politik etc. im Unbewußten verankert hat, dem Wunsch bzw. dem neuen Glauben entgegensteht, kann dieser sich nicht in das Unbewußte einfügen. Hoffnung und das 'so Tun als ob' können den Wunsch nicht erfüllen, solange der organische und unbewußte Glaube ihm entgegensteht. Wünschen ist nicht bewußtes Wollen, denn dies zieht die Erfüllung des Wunsches nicht an. Beschäftigt man sich bewußt mit dem Wunsch, so entstehen Angst und Zweifel, die die Kraft des Wunsches mindern. Darum fordert Spare dazu auf, den Wunsch unbewußt zu machen und unbewußt und im Nicht-Widerstand zu halten, bis er gereift ist.

Wenn man also einen Wunsch zu einem neuen organischen Glauben werden lassen möchte, dann ist hierfür die Sigillenmagie das geeignete Mittel. Man warte, bis ein kraftvoller Wunsch erscheint, und weihe diesen Wunsch dem ursprünglichen Verlangen, dem Wünschen und Sehnen des Selbst, des Kia. Man fühle seinen Wunsch und warte, bis ein Glaube auftritt, der ihm entgegensteht und Angst und Zweifel bringt. Dann fühle man die Enttäuschung darüber, daß der Wunsch durch diesen entgegenstehenden Glauben nicht in Erfüllung gehen kann. Diese Enttäuschung, die dem alten Glauben entspringt, wird ihn letztendlich entkräften. Darum soll man sie in einer Sigille mit seinem Wunsch verbinden.

Das Herstellen einer solchen Sigille ist denkbar einfach und bedarf keiner künstlerischen Fähigkeiten. Es reicht z.B., den Wunsch in einem kurzen Satz aufzuschreiben und die Buchstaben ineinander und aneinander zu setzen, so daß daraus ein Bild oder ein Zeichen wird, in dem man nur noch durch sehr genaues Hingucken alle Buchstaben entdecken kann. Man kann dieses Zeichen danach auch vereinfach oder stilisieren, je nachdem, wie verspielt man ist. Die Sigille sollte in ihrer Form und Gestalt letztendlich nicht mehr an ihren Inhalt erinnern, damit das Bewußtsein beim Wirken der Magie nicht anfängt, über den Wunsch nachzudenken.

Hat man seinen Wunsch also in eine Sigille gegossen, dann ist es Zeit, den magischen Moment aufzusuchen, also einen Zustand der Leere herzustellen. Dies kann man durch die Todesstellung erreichen, aber auch durch andere Erschöpfungszustände, die man durch große körperliche und geistige Anstrengung erreicht. Spare sagt, daß nur in diesem Zustand geistiger Leere der neue Glaube durch die Sigille organisch werden kann. Man soll die Sigille visualisieren, bis die Ekstase einsetzt und man den Nektar des Lebens, das Elixir der Sonne und des Mondes trinkt. Wahrlich, so stiehlst du das Feuer vom Himmel!

Wichtig dabei ist, so Spare, daß man zum magischen Zeitpunkt zwar die Sigille visualisiert, aber nicht bewußt über ihren Inhalt nachdenkt, denn sonst entstehen sofort Vorstellungen und Erwartungen, die den freien Zugang zum Unbewußten und die freie Entfaltung des neuen Glaubens begrenzen. Allein das Unbewußte also weiß, wie es den neuen Glauben gestalten will, um ihn organsich werden zu lassen. Befindet man sich nicht im Zustand der Leere, dann soll man den Gedanken an die Sigille möglichst verdrängen, denn dann besteht ja noch mehr die Gefahr, daß man sich bewußt mit dem Wunsch beschäftigt. Die Sigille und damit der Wunsch soll aber im Unbewußten möglichst unbeeinflußt heranreifen.

Es ist auch förderlich, die Sigille immer wieder zu einem magischen Zeitpunkt zu visualisieren, denn so kann sie zu einer unbewußten Besessenheit werden. Wird der Wunsch oder der neue Glaube organisch, so manifestiert er sich entweder als Besessenheit, also als Macht, oder als Erleuchtung, also als Wissen. Er findet seinen Weg zurück ins Bewußtsein durch Erfahrungen und Handlungen, aber auch durch Bilder, Assoziationen und Erinnerungen. Da diese Bilder oft symbolisch sind (wie auch in Träumen), müssen sie allerdings zurückübersetzt werden in die Sprache des Bewußtseins, damit man das neue Wissen auch bewußt einsetzen kann.

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon oYo » Mo 10. Jan 2011, 12:49

Hallo Ihr alle,

da ich mich gedanklich immer wieder mit der Sigillenmagie beschäftige und meine Träume auch öfters mal versuche, mit dem Thema zu inspirieren, habe ich neulich tatsächlich von der Thematik geträumt. Es ging allerdings eher um das Wünschen allgemein. Der Traum erklärte mir, daß das mit dem Wünschen nicht so schwierig sei. Eigentlich ist es ja ganz klar, daß man, wenn man einen konkreten Wunsch hat, sich auch sehr konkrete Vorstellungen dazu macht. Das begreift das Unbewußte offensichtlich. Um genug Spielraum zu geben für die Erfüllung von Wünschen, so der Traum, müsse man einfach nur zu jedem konkreten Wunsch auch unkonkrete Wünsche haben. Das hat sich im Traum so dargestellt, daß ich in der einen Hand meinen konkreten Wunsch hielt, in der anderen Hand aber keinen konkreten Wunsch, sondern nur ein Wunschgefühl, also ein inneres Sehnen und Wollen, was sich auf nichts Bestimmtes richtet. Wir haben damit ein wenig herumgespielt und sind am Ende des Traumes zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Wunschverhältnis von 2:1 für das Unbewußte am praktischsten sei, wobei man also einen konkreten Wunsch aus den Händen in das Unbewußte gibt und zwei unbestimmte Wünsche. :glubsch: :grins:

Im Traum habe ich also den Wunsch in Form einer bunten Kugel in meiner Hand gesehen, habe dort meine ganze Wunschkraft hineingegeben und dann die Kugel schweben lassen. Danach habe ich zweimal einfach nur die Hand mit Wunschkraft gefüllt und dann die entstandene Kugel schweben lassen...

Es gibt natürlich keine Gewähr, daß das mit dem Wünschen wirklich so geht, denn ausprobieren muß ich es noch. Und natürlich ist klar, daß mit der doppelten unkonkreten Wunschkraft der Wunsch in völlig anderer Art wahr werden kann, als man es sich vielleicht vorgestellt hat. Aber das ist ja das Spannenden daran. Ich liebe Überraschungen. :mm:

Momentan stelle ich mir übrigens beim Wünschen einen Wunschbrunnen vor, wo ich meine Wünsche hineinsinken lasse. Einige Wünsche sind dabei direkt in die Tiefen abgetaucht, andere sind im Brunnen seitwärts in andere Bahnen eingebogen und haben andere Wege in die Tiefe genommen. :lupe:

Bin gespannt, wie es weitergeht und ob noch mehr Informationen zu dem Thema aus meinen Träumen kommen. :ja:

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon Eloa » Sa 5. Mai 2012, 21:07

Hallo oYo,

danke für deine aufschlussreichen Beträge.
Ich habe schon die Technik zur Sigillenmagie woanders gelesen,
aber gemeinsam mit deiner Schilderung der Sichtweisen Spare's ergibt das ganze ein ganz neues Bild. Und vorallem ein einfach nachvollziehbares.
Danke für die vielen Infos! :ok:
Eloa
 
 

Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon oYo » So 6. Mai 2012, 12:57

Hallo Sarah,

ich hab gerade den Text über Spare nochmal überflogen - und mir fällt wieder mal auf, wie stark er sich eigentlich an östliche Weltbilder angelehnt hat. Gerade das 'Neither-Neither' ist ja in diversen Upanishaden sehr beliebt und auch die Vorstellung, im Nichtbeurteilen von Dingen läge Glückselig etc. pp. Naja, meins ist das nicht. Schon allein die Vorstellung, man würde ausschließlich in Dualpaaren denken... :antenna: Trotzdem, für mich war es wichtig, mich dem Thema nochmal aus Spares Sicht zu nähern, weil mir die moderneren Texte darüber schon zu oberflächlich sind.

Sigillen gab es ja auch schon vor Spare, sie dienten halt bisher 'nur' als Siegel oder Zeichen für den Dämon. Weißt Du ja bestimmt. Das Neue an Spares Angang war, einen beliebigen Wunsch in eine Sigille zu bannen und dann dem Unbewußten zu überantworten. Aber ich denken, nach wie vor geht es bei Sigillen um das Dämonische, um die Besessenheit. Das ist bei einem Tegtmeier und anderen leider nicht mehr wahrnehmbar, da geht es ja dann plötzlich darum, dem Unbewußten Befehle zu erteilen. Ich sach nur: viel Spaß damit. :piep:

Nachdem mir nochmal so richtig deutlich geworden ist, daß es in der Sigillenmagie um eine Form der Besessenheit geht, fand ich es eigentlich wesentlich spannender, mich damit direkt zu beschäftigen. Mein Fokus ist in diesem Thema also von der Sigille selbst ein bißchen weggerückt...

Hast Du denn schon Erfahrungen mit Sigillenmagie gemacht?

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Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon Eloa » So 6. Mai 2012, 13:24

Hallo oYo,

nein, ehrlich gesag war es mir unbekannt, dass Sigillen als Zeichen für den Dämond galt. Und mit Sigillenmagie kenne ich mich auch noch nicht wirklich aus.
Habe nur die Technik dazu gelesen. Ich im magischen Sinne Novizin - stehe am Anfang. Meine Arbeiten bisher beschränkten sich lediglich auf Arbeiten im Unterbewusstsein, Traumarbeit & Energiearbeit.

Gruß

Sarah
Eloa
 
 

Re: Ein paar Gedanken zur Sigillenmagie

Beitragvon oYo » So 6. Mai 2012, 13:36

Hallo Sarah,

Sigillen wurden allgemein als Zeichen verwendet, für Engel, Dämonen und andere Wesen und Prinzipien, auch für Amulette und Talismane. Besonders berühmt sind die Siegel der Goetia. Läßt sich im Internet leicht recherchieren, falls es Dich näher interessiert. Letztendlich diente ein Siegel dazu, Kontrolle über eine Wesenheit zu erlangen, sie also mittels des Zeichens rufen und bannen zu können, oder im Falle von Amuletten und Talismanen, eine bestimmte Kraft in das Siegel zu binden. Das, was Spare da angestoßen hat, ist wesentlich dynamischer und individueller. Deswegen finde ich es so genial... :ok:

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