Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindung

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Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindung

Beitragvon eno » Di 12. Jun 2012, 18:59

Einer der Aspekte beim Erschaffen, die mich noch beschäftigen, ist die Beendigung der Existenz des Wesens, bzw. das Unterlassen derselben.

Der Schwerpunkt bei Cunningham liegt auf jenen zweckgebundenen Hilfskreaturen, die ich allein oder mit einer kleinen geschlossenen Gruppe erschaffe, die ich mit einer klar definierten, in der Regel begrenzten Energiequelle ausstatte, deren Existenz ich nach Beendigung ihrer Aufgabe selber konkret beende oder deren Energiequelle ich so gewählt habe, dass sie mit Erledigung der Aufgabe automatisch versiegt.

Im Vorwort spricht Cunningham jedoch auch kurz einen anderen Fall an, die Erschaffung von „Göttern“. Also solchen „magischen Wesen“, die bereits von einer größeren Gruppe erschaffen werden. Wesen, die darüber hinaus so angelegt sind, dass weitere Mitglieder zu der unterstützenden Gruppe hinzukommen und sich beteiligen können, ggf. auch ohne Zustimmung der bereits der Gruppe angehörenden Personen. Es kann zu Schismen kommen, also mehreren rivalisierenden Gruppen, die dieselbe Entität „füttern“ und sich dabei ggf. gegenseitig bekämpfen. Man könnte eventuell sagen, dass die erschaffene Entität eigenständig neue Unterstützer wirbt und selber ihre Energiequelle kontrolliert, dass sie sich mehrere unabhängige Gruppen von Energielieferanten hält, um nicht von ausschließlich einer „abhängig“ zu werden. Sie ist also weitgehend unabhängig von ihren Erschaffern.

Der Zweck zu dem diese Entität erschaffen wurde, also zum Beispiel als Stammesgott, zur Unterstützung einer klar definierten Gruppe, wandelt sich durch das hinzukommen neuer Unterstützer ebenfalls. Fortan steht die Entität eher für ein abstrakteres Wertesystem, das für immer größere Gruppen von Personen Identifizierungsansätze bietet und damit mehr Energie einbringt, es kann aber auch der umgekehrte Fall eintreten, dass eine Entität ein zu „beliebiges“ Wertesystem entwickelt, so dass nicht mehr genügend Distinktionsmerkmale geboten werden, anhand derer sich die Unterstützer als etwas „Besonderes“, als „Auserwählte“ fühlen können, dann schrumpft die Unterstützerzahl wieder. Es findet eine Auslese statt: Solche Götter, die eine zu kleine Zielgruppe anpeilen gehen ebenso unter, wie jene, die auf eine zu große Gruppe aus sind.

In gewissem Sinne könnte man auch behaupten, dass eine „Fortpflanzung“ von Göttern stattfindet und sich die oben abgesprochene Evolution in mehreren Generationen abspielt. Eine Elterngeneration eher spezialisierter Stammesgötter zeugt eine neue Generation von Göttern mit abstrakteren Aufgaben, die sich auf ein größeres Gebiet ausdehnen können usw. Das findet sich so in den meisten Pantheons wieder.

Ein weiterer Aspekt wäre, dass zwischen den „Spezies“ „Götter“ und „Menschen“ offenbar „Kreuzungen“ möglich sind. Entweder in einem sehr physischen Sinne gedacht, z.B. „Zeus und Alkmene zeugen Herakles“, oder erheblich abstrakter z.B. bei „Jahwe und Maria zeugen Jesus“. In allen Fällen sehe ich das als den mehr oder minder erfolgreichen Versuch einzelner Personen sich die von vorhergehenden Generationen erschaffene magische Entität wieder persönlich anzueignen, in der Regel, um die eigene Existenz in dieser Welt über die Lebensdauer des Körpers hinaus zu verlängern. Dabei entsteht in meinen Augen wirklich etwas wie eine Art Kreuzung. Ich denke, dass man in dem christlichen „Gott“ „Erbanteile“ des jüdischen Gottes „JHWH“ findet ebenso wie solche des Rabbiners Jesus, der nicht sterben wollte.

Die Buddha-Erfahrung im Buddhismus kann man vielleicht als eine unmittelbare Transformation in eine magische Entität betrachten, ohne sich mit einer bereits existierenden Entität, die mit den Energien anderer „gefüttert“ wurde, zu verschmelzen.

Bei Obenstehendem ist nicht beabsichtigt Gläubige irgendeiner Art zu beleidigen, es handelt sich lediglich um spekulative Überlegungen.

Viele Grüße
Eno
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Re: Erschaffen eines magischen Wesens

Beitragvon oYo » Mi 13. Jun 2012, 13:04

Hallo eno, :wave:

oh, planst Du ein größeres Projekt und wägst noch die Risiken und Nebenwirkungen ab? :lach: :spass:

Wenn es Dir recht ist, würde ich gerne das Thema von dem praktischen Projekt abtrennen und in die öffentliche Kategorie dafür verschieben. Wär das okay für Dich?

Ich finde Deine Perspektive auf Götter, ihre Entstehung und 'Fortpflanzung' sehr spannend. Wenn jemand (oder eine Gruppe) einen Gott erschafft, dann ist eine Beendigung der Existenz natürlich nicht vorgesehen, denn der Zweck eines solchen Wesens geht dann wohl schon eher in Richtung Vereinnahmung oder Kontrolle vieler Menschen. Ich frage mich, ob jemals ein Gott auf diese Weise entstanden ist? Ich denke, jeder uns bekannte Gott entstammt ursprünglich einer Dämonen- oder Geisterwelt, je nachdem, aus welcher Kultur heraus er entstanden ist. Aber wie gelingt es eigentlich, ein Wesen aus einer Masse von existierenden herauszuheben und ihm Eigenschaften zu verleihen, die es viel attraktiver machen als andere und durch die es breitere Anbetung findet? Denn erst dadurch wird es doch zu einem Gott. Kann das tatsächlich ein einzelner Mensch oder eine kleine Menschegruppe leisten oder ist es eine breitere Gruppendynamik, für die viele Faktoren gegeben sein müssen, damit der Gott oder die Religion Erfolg hat? Andererseits sind Religion und auch die bestimmende Gottheit oder Gottheiten sehr oft von Herrschern diktiert worden.

eno hat geschrieben:Die Buddha-Erfahrung im Buddhismus kann man vielleicht als eine unmittelbare Transformation in eine magische Entität betrachten, ohne sich mit einer bereits existierenden Entität, die mit den Energien anderer „gefüttert“ wurde, zu verschmelzen.


Danke für diese Perspektive, you made my day. :grins: Nur besteht die Frage, wie lange diese magische Entität dann noch existiert? Wenn dieser Mensch nicht gerade ein paar Jünger um sich geschart hat, ist ja niemand da, der ihn über seinen Tod hinaus verehrt. Vermutlich löst sich die magische Entität dann letztendlich wohl doch auf - oder wird zu einem Gespenst, das einen Ort bespukt. :tot: Jedenfalls ein Blickwinkel, der bei Buddhisten (zumindest hier im Westen) ganz gewiß zu heftigstem Widerspruch führen würde, wie wir gerade mal wieder in einer Diskussion in einem anderen Forum erlebt haben. :zwins:

eno hat geschrieben:Bei Obenstehendem ist nicht beabsichtigt Gläubige irgendeiner Art zu beleidigen, es handelt sich lediglich um spekulative Überlegungen.


:lach: Cooler Satz, darf ich den in mein Repertoire übernehmen? :blume:

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Re: Erschaffen eines magischen Wesens

Beitragvon oYo » Mi 13. Jun 2012, 13:17

Hallo eno,

da fällt mir ein, was Du über die Buddha-Erfahrung schreibst, gibt es auch in den Yoga-Sutren von Patanjali. Mit denen habe ich mich gerade mal wieder etwas intensiver beschäftigt, weil ich überlege, einen Artikel mit einem kritischen Blickwinkel darauf zu verfassen. Dort jedenfalls beschreibt Patanjali tatsächlich eine 'Erleuchtungsstufe' (es ist noch nicht die angestrebte allerhöchste Stufe), in der der strebende Mensch nach seinem Tod zu einem Naturgeist wird...

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Re: Erschaffen eines magischen Wesens

Beitragvon eno » Mi 13. Jun 2012, 18:23

oYo hat geschrieben:Wenn es Dir recht ist, würde ich gerne das Thema von dem praktischen Projekt abtrennen und in die öffentliche Kategorie dafür verschieben. Wär das okay für Dich?


Kannst Du gerne machen.

Viele Grüße
Eno
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Re: Erschaffen eines magischen Wesens

Beitragvon Xephyr » Do 14. Jun 2012, 13:43

eno hat geschrieben: Die Buddha-Erfahrung im Buddhismus kann man vielleicht als eine unmittelbare Transformation in eine magische Entität betrachten, ohne sich mit einer bereits existierenden Entität, die mit den Energien anderer „gefüttert“ wurde, zu verschmelzen.

So wie es jetzt dasteht, scheint es keinen magischen Grund zu geben sich selbst oder andere Götter zunächst zu überwinden, um die beschriebene Transformation zu bewerkstelligen. Ich denke da an Nietzsches Überwindung des Nihilismus durch den Übermenschen, aber auch an buddhistische Konzepte der Selbstüberwindung. Falls das stimmt (und ich glaube nicht erst seit heute, daß das wahr ist), dann stellt sich die dringende Frage, weshalb an der Überwindung so starr festgehalten wird.
Weshalb wird in ein einfaches magisches Konzept etwas eingebaut, daß man nicht dafür braucht? Cui bono? :lupe:

Liebe Grüße,

Xephyr

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Re: Erschaffen eines magischen Wesens

Beitragvon eno » Do 14. Jun 2012, 18:49

Xephyr hat geschrieben:So wie es jetzt dasteht, scheint es keinen magischen Grund zu geben sich selbst oder andere Götter zunächst zu überwinden, um die beschriebene Transformation zu bewerkstelligen. Ich denke da an Nietzsches Überwindung des Nihilismus durch den Übermenschen, aber auch an buddhistische Konzepte der Selbstüberwindung.
...
Weshalb wird in ein einfaches magisches Konzept etwas eingebaut, daß man nicht dafür braucht? Cui bono? :lupe:

Meine Kenntnis des Buddhismus ist bisher nur oberflächlich und Nietzsche und seine Übermenschen mag ich nicht besonders.

Aber vielleicht liegt einfach ein Irrtum vor. Möglicherweise neigen viele Menschen eher dazu zu glauben, dass es schwierig bis nahezu unmöglich sein muß ein wichtiges Ziel zu erreichen, um dadurch die Wichtigkeit des Ziels zu betonen.

Ich halte nicht viel von „Selbstüberwindung“ „Ich-Aufgabe“ und dergleichen. Ich denke auch nicht, dass es wirklich möglich oder nötig ist sein „Selbst“ endgültig aufzugeben. Mein Eindruck ist außerdem, dass diejenigen, die so etwas fordern es in der Regel von anderen fordern, nicht von sich selbst.

Ich bin Alchimistin. Ich arbeite stetig an der „Selbstverbesserung“.

Die Überwindung der Materie wäre auch etwas, an dem ich arbeiten würde. Und meiner Ansicht nach ( und ich befürchte da befinde ich mich im Widerspruch zum Buddhismus) ist die Selbstaufgabe dafür nicht nötig.

Die "Selbstaufgabe" ist für mich bisher kein erstrebenswertes Ziel

Viele Grüße
Eno
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Re: Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindun

Beitragvon oYo » So 17. Jun 2012, 17:36

Hallo eno,

eno hat geschrieben:Ich halte nicht viel von „Selbstüberwindung“ „Ich-Aufgabe“ und dergleichen. Ich denke auch nicht, dass es wirklich möglich oder nötig ist sein „Selbst“ endgültig aufzugeben. Mein Eindruck ist außerdem, dass diejenigen, die so etwas fordern es in der Regel von anderen fordern, nicht von sich selbst.


Ja, das sehe ich ganz genauso. Es ist schon allein deswegen nicht nötig, weil es möglich ist, mit Göttern und anderen Wesen Kontakt aufzunehmen, sie zu evozieren oder gar zu invozieren, ohne dabei sich selbst aufzugeben. Das, was ein Mensch sucht, der einem solchen Weg der Ich-Aufgabe folgt, ist ja in der Regel eine Vereinigung mit bzw. eine ungetrübte Wahrnehmung von Gott, der Wahrheit, dem wahren Selbst oder was auch immer. Ich frage mich immer, wieso die Leute glauben, ihre Wahrnehmung sei trübe, solange sie existieren, und sie könnten klarer sehen, wenn sie nicht mehr existieren oder nur noch Geist sind? :wirr: Was unterscheidet uns denn eigentlich von Geistwesen? Daß wir einen Körper haben, mit dem wir körperliche Empfindungen haben können und mit dem wir die Materie wahrnehmen und beeinflussen können. Ansonsten sehe ich da keine so großen Unterschiede. *sinnier* ;-)

eno hat geschrieben:Ich bin Alchimistin. Ich arbeite stetig an der „Selbstverbesserung“.


Bei mir steht an dieser Stelle "Individuierung". Mit der Alchemie als konkreten Wissenszweig (also das, was andere tun, darüber gesagt oder geschrieben haben) habe ich mich noch nicht besonders intensiv beschäftigt. Meine Träume allerdings sind voller alchymischer Prozesse, da werden Wesensteile 'aufgedröselt' und zurückverfolgt bis in ihre Entstehung, an verschiedenen Stellen verändert, gestärkt, abgeschnitten bzw. getötet (nämlich das, was mich schwächt), erneuert, vermischt und verbunden mit anderen Wesensanteilen und auch mit neuen Fähigkeiten und Eigenschaften versehen, die mir aus den Weiten des Universums und der Seele zuströmen. Ganz schön spannend das alles. Und das absolute Gegenteil von Selbstaufgabe. :grins:

eno hat geschrieben:Die Überwindung der Materie wäre auch etwas, an dem ich arbeiten würde.


Was verstehst Du denn darunter? :lupe:

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Re: Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindun

Beitragvon eno » Mo 18. Jun 2012, 22:06

oYo hat geschrieben:
eno hat geschrieben:Die Überwindung der Materie wäre auch etwas, an dem ich arbeiten würde.


Was verstehst Du denn darunter? :lupe:


Hallo oYo,

ich bin der Ansicht, dass es eine „nicht-materielle“ Welt gibt, und das diese der Ort ist, an dem wir eigentlich „zuhause“ sind.

Ich glaube, dass man dort, anders als im Nirvana der Buddhisten, individuell existiert. Dort sind wir zwar Teile eines ganzen, aber individuell unterscheidbare Teile. Vielleicht ähnlich, wie Wassermoleküle einen Ozean bilden, den man zwar als ganzes, als Ozean, wahrnimmt , der aber dennoch kein Kontinuum oder Plasma ist, sondern aus vielen individuellen Einzelteilen besteht.

Ich denke, dass eine Bindung an die materielle Welt nicht allein durch einen „Körper“ im gängigen Sinn entsteht. (Folglich entkommt man der materiellen Welt auch nicht, indem man sich den nächsten ICE von unten ansieht !). Auch viele körperlose Geistwesen sind an die materielle Welt gebunden. Ein chinesischer Flussdrache ist z.B. an seinen Fluß gebunden, ein Baumgeist an einen Baum, ein Dämon -ebenso wie ein Gott- an seine Aufgabe in dieser Welt.

Das Problem, dass wir- ebenso wie der Flussdrache, der Dämon oder der Gott- zu lösen haben, ist wie man die materielle Welt verlässt und heimkehrt an den Ort, der unser Zuhause ist. Die Gnostiker und Hermetiker nennen diesen Prozeß den „Aufstieg“ und unterteilen ihn in eine Reise durch mehrere Sphären, die zu durchqueren unterschiedliche Anforderungen an die individuelle Entwicklung stellt. Die Alchemisten nennen den Prozess das Materielle zu überwinden „Das große Werk“, „Die Transmutation“ oder „die Suche nach dem Stein der Weisen“.

Für viele Menschen, die von einer christlichen Sozialisation aus starten, ist dieser Prozeß „Die Suche nach dem heiligen Gral“, die christliche Kirche bemerkt meist weitaus eher als die Betroffenen selbst, dass die Menschen, die sich auf diesen Weg begeben keine Christen mehr sind.

Der Aufstieg oder die Transmutation kann auch Scheitern. Eine gescheiterte Transmutation entspricht nach meinem dafürhalten in etwa dem buddhistischen Eintritt ins Nirvana oder dem Tod der Atheisten. Der Körper zerfällt und wird Bestandteil unbeseelter Materie, das unterscheidbare individuelle Selbst hört auf zu existieren, es vergisst sich selbst, zerfällt und bleibt ohne Bewusstsein auf ewig körperlos an die Materie gebunden.

Ein Aufstieg der nicht auf Anhieb glatt durchläuft muß noch kein endgültiges Scheitern sein, ich teile die Ansicht der Buddhisten in dem Punkt, dass ich eine Weiterentwicklung auch über mehrere „Inkarnationen“ für möglich halte. Ich bin jedoch der Ansicht, dass man es auch endgültig in den Sand setzen kann und ich halte den Buddhismus für eine Anleitung zum Scheitern. Das Nirvana der Buddhisten ist für mich der Zustand, den die Gnostiker als den Verlust des individuellen Seelenfunkens, also als das endgültige Scheitern betrachten.

Viele Grüße
Eno

oYo hat geschrieben:Meine Träume allerdings sind voller alchymischer Prozesse, da werden Wesensteile 'aufgedröselt' und zurückverfolgt bis in ihre Entstehung,

P.S. In den Bänden „Psychologie und Alchemie“ sowie „Mysterium Coniunctionis“ von C.G. Jung gibt es ausführliche Erläuterung dazu, warum der Mensch in „alchemistischer Symbolik“ träumt bzw. genauer warum Traum und Alchemie sich derselben Symbolik bedienen…
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Re: Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindun

Beitragvon oYo » Mo 25. Jun 2012, 17:25

Hallo eno,

Jetzt will ich doch endlich mal antworten. ;-)

Vieles sehe ich ähnlich wie Du, auch ich glaube, daß man als Individuum in der geistigen Welt fortbesteht, wenn man stirbt. Insofern ist für mich auch das Konzept der Reinkarnation anwendbar, allerdings sehe ich darin kein Muß. Soll heißen, ein Mensch ist eben nicht gezwungen, immer wieder in die materielle Welt einzutauchen, bis er einen bestimmten Entwicklungsgrad erreicht, der ihn von diesem Zwang endgültig befreit. :nope:

Mein "Zuhause" fühle ich nicht irgendwo da draußen (oder da drinnen) jenseits der Materie. Ich bin da zu Hause, wo ich bin. Denn Kontakt zu dem geistigen Zuhause - ich nenne es Seele - habe ich hier in der materiellen Welt auch und ich kann es jederzeit in Gefühl und Geist aufsuchen, wenn ich das möchte. Für mich ist im Gegenteil das Leben in der Materie mehr und ich sehe neben der Individuierung mein persönliches Ziel darin, Seele für mich hierher zu holen und mit der materiellen Welt immer mehr in Verbindung zu bringen. Ich beschäftige mich also eher damit, die Auswirkungen der geistigen Welt in der Materie wahrzunehmen, z.B. in Form von Synchronizitäten, da wir schonmal bei Jung sind :zwins: , und Möglichkeiten zu finden, die Seelenwelt in meine persönliche Realität zu bringen, wie z.B. mit der von Xephyr in Pans Vermächtnis beschriebenen Trance. :grins:

eno hat geschrieben:
oYo hat geschrieben:Meine Träume allerdings sind voller alchymischer Prozesse, da werden Wesensteile 'aufgedröselt' und zurückverfolgt bis in ihre Entstehung,

P.S. In den Bänden „Psychologie und Alchemie“ sowie „Mysterium Coniunctionis“ von C.G. Jung gibt es ausführliche Erläuterung dazu, warum der Mensch in „alchemistischer Symbolik“ träumt bzw. genauer warum Traum und Alchemie sich derselben Symbolik bedienen…


Wenn ich die Vorlesungen von Freud durchgelesen habe, was wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, ist Jung dran. :lach: Allerdings ist es nicht so, daß der Mensch in alchemistischer Symbolik träumt, sondern umgekehrt, daß die Alchemie sich der Symbolik von Träumen, Psyche und Seele bedient -was Du vermutlich mit Deiner Konkretisierung andeuten wolltest ;-)

Lieben Gruß und schönen Abend wünsch ich Dir,
oYo :wave:
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Re: Götter, Erschaffung, Entstehung, Fortführung, Überwindun

Beitragvon jöckel » Di 26. Jun 2012, 17:59

Bin ziemlicher Pragmatiker. Getreu dem Motto: Hauptsache es funktioniert.
Das Thema hat mich eben angesprungen, und weckt ganz spontan Erinnerungen, die ich damit in Verbindung bringe.

Die Erfahrungen, auf die mich berufe haben zwar keinen direkten Bezug zu theoretischen Konzepten irgendeiner Philosophie.
Sind vielleicht trotzdem hilfreich, das Thema zu erhellen. Möchte noch vorwegschicken, daß ich überzeugter Dilettant bin. In jeder Hinsicht.

Habe einige Jahre Kranke gepflegt. Nachtdienst. Bettlägerige. Demente. Wachkomatöse. Im Großen und Ganzen ausschließlich, relativ ungewohnte Bewußtseinszustände, mit denen man da kommuniziert. Je geschickter die Kommunikation, desto effizienter die Arbeit, und höher die Qualität der Resultate. Das findet man schnell heraus, wenn man Spaß daran hat, verfügbare Energie möglichst verlustfrei für einen bestimmten Effekt einzusetzen.

In diesem Beispiel bestand der gewünschte Effekt im höchstmöglichen, nachhaltigen Wohlbefinden der Kunden. Was unter den gegebenen Umständen gar kein sooo einfaches Task war, weil die örtlichen Gegebenheiten miserabel, ein echt besch..eidenes Ambiente, richtig miese Vibes, wenig Spielgeld, keine Lobby, und jede Menge intellektuelle Brachlandschaften in der Belegschaft, von der Sorte: Gut gemeint, hat oft geschadet.

Naja, und die Kundschaft, von ihrer schwer angeschlagen "Hardware" unter Belastungen, die man wohl durchweg als so ziemlich extremste Grenzerfahrung bezeichnen kann, die ein Mensch für gewöhnlich so erleben darf.

Nein, nein - ich klinge nicht nur so. Ich bin wirklich so arrogant. :zwins:

Und ja, ich komm jetzt auf´n Punkt.
Hole oft lieber vorneweg etwas weiter aus, als versäumte Erklärungen hinterher zu schicken.

Also, meine ganz konkreten Erfahrungen/Beobachtungen:

Persönlichkeit, ist etwas, das Individuen nicht besitzen
Es bedarf dazu zumindest eines weiteren Individuums, oder besser, eines Kollektivs - welches die Merkmale einer Persönlichkeit wahrnimmt,
insofern akzeptiert und anerkennt.


(auch ein Wirken gegen Persönlichkeitsmerkmale, ein Kampf, Streit, whatever - bedeutet in diesem Sinne bereits ein Akzeptieren, zumindest der EXISTENZ dieser Persönlichkeit - und die Provokation solchen Widerspruchs, ist wohl der effizienteste Weg, sich diese Akzeptanz (s)einer Persönlichkeit nötigenfalls zu erzwingen)

Wenn dieses zumindest rudimentäre Wahrnehmen, diese Akzeptanz der Persönlichkeit ausbleibt - löst sie sich schlichtweg auf

Möchte betonen, daß ist keine Theorie, sondern eine Beobachtung, die zu machen ich in den zweifelhaften "Genuß" kommen durfte.
________________________________________________________________________________________________________________________________
Ich denke, jetzt dürfte es bereits "klingeln" wie ich den Bezug herstelle, zu Göttern, deren Persönlichkeit dadurch zur Existenz verholfen wird, indem sie Energie von denjenigen beziehen, die an sie "glauben", sie wahrnehmen, als Muster von Merkmalen, mit denen ihrer Energie Persönlichkeit verliehen wird.

Zumindestens bei Menschen funktioniert es ganz genau so - also, warum sollte es bei irgendjemandem anders sein?
(mal abgesehen von Göttern, die sich prinzipiell nicht mit unserem Nervensystem abbilden lassen - falls es soetwas gibt)
________________________________________________________________________________________________________________________________
Meine zweite interessante Beobachtung, die ich während meiner Arbeit dort gemacht habe, ist:

Wenn sich das Bewußtsein in funktioneller Weise über ein gewisses Maß ausdehnt, löst sich das Ich (vorübergehend) auf.
Das ist keine Frage von Selbst-Aufgabe, oder gar Auf-Opferung (wäre auch eher beleidigendes Opfer, würde ich meinen - also ich würde nun wirklich nicht ausgerechnet irgendein aufgepustetes Ego geopfert bekommen, was soll man damit schon anfangen?) sondern schlichtweg ein Nebeneffekt.

Ich schätze, ab einer gewissen Menge an Daten, die in einem zielgerichteten Prozess verarbeitet werden, ist es aus Effizienzgründen einfach notwendige Voraussetzung, Ressourcen freizuschalten, die ansonsten mit Spielzeugen (Ich-Bewußtsein) bei Laune gehalten werden, damit sie bei Bedarf nicht eingerostet sind.

Auch das deute ich aus tatsächlicher Erfahrung, und ist keine blanke Spekulation auf rein theoretischer Grundlage.

Eine solche Auflösung des Ich´s in der Erfüllung von Funktionen, ist darüberhinaus äußerst erfrischend.
Kenne (noch) nichts Vergleichbares, das so entspannend und gleichermaßen anregend, wohltuend, ja... einfach nur erfrischend ist. Scheint außerdem ein energetischer Selbstläufer, also je mehr Energie man durchspült, desto mehr fließt nach.

Mache mir das selten klar, aber diese Erlebnisse sind die schönsten, die ich je gemacht habe. Ich fühle mich wirklich dankbar, daß ich das erleben durfte.

[Was das angeht, kann ich aus meiner Erfahrung klar sagen: Keine Angst vor Ich-Auflösung. (Zumindest, wenn´s nicht durch Traumatisierung geschieht)
Das Ich wieder zu erlangen scheint mir auch die wirklich leichtere Übung (geschieht praktisch von selbst) Wogegen es mir nie gelungen ist, einen Zustand von Ich-Befreiung länger als vielleicht höchstens 14 Stunden beizubehalten. Was ich oft bedauerlich finde.]

Nein, streichen sie das: Ich-Auflösung ist mit größter Vorsicht zu handhaben. Ist wahrscheinlich das potenteste Suchtmittel, das es gibt, es hinterläßt einen grauenhaften Kater, und ein scheinbar unauflösliches Verlangen, erneut, länger, am liebsten immer in solchem Zustand zu verweilen - was nicht nur zeitweilig schwer zu erzielen scheint, sondern wahrscheinlich erst recht nicht dauerhaft funktionieren kann.

Ach, was weiß ich... Das sind nur meine Gedanken, die mir bei diesem Thema aufflackern. Hoffe, kann damit zu bereicherndem Gedankenaustausch beitragen.
Nicht, daß mir noch irgendwelche anderen Absichten unterstellt werden. Also falls ich irgendwie den Eindruck erwecken sollte, ich wolle irgendwelche Rat-Schläge :klatsch: (outch!) geben, oder ähnliche Frechheiten. Das ist nicht der Fall.

Haaach, also ich will doch NOCH ein Nachwort anhängen: Der Grund, weshalb ich mich teilweise wohl etwas umständlich ausdrücke ist der, daß ich meine Gedanken und Erfahrungen zwar gerne teilen möchte. Aber nicht wenige meiner Ideen habe ich durch Methoden entwickelt, die man getrost als grob fahrlässig betrachten kann, solange man nicht der grund- und bedingungslosen Überzeugung ist, zumindest im Wesentlichen Kern seines Seins letztlich vollkommen unzerstörbar, und unkorrumpierbar zu sein. Woher ich diese Überzeugung habe, kann ich leider nicht erklären. Und obwohl ich diese Überzeugung habe, gibt es Konzepte, oder Ideen, mit denen ich definitiv NICHT herumspielen würde. Ich finde es einfach sehr wichtig, immer darauf zu achten, daß die Fluchtwege frei bleiben. (falls mal jemand plötzlich in Flammen aufgeht, oder so :grins: ) Dafür zu sorgen, fängt spätestens bei der Wahl der Worte an.

Das ist mein erster Beitrag hier, ich kenne euch alle noch nicht näher, und fühle mich mehr zu Gast, als zu Hause. Entsprechend scheints mir angemessen, mich so behutsam und rücksichtsvoll auszudrücken, wie ich kann. Das kommt vielleicht bissl verschroben ins Bild, gefällt mir aber besser, als gleich zur Begrüßung den hübschen Teppich vollzukotzen :floet:
Ihr seid ohne Zweifel der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe!
Aber: Ihr habt von mir gehört...
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