Einsiedlerkrebs - Ritual

Einsiedlerkrebs - Ritual

Beitragvon Xephyr » Sa 30. Okt 2010, 18:54

"Dürr wie Heu soll er verdorr'n,
Und kein Schlaf, durch meinen Zorn,
Tag und Nacht kein Aug' erquickt,
Leb' er wie vom Fluch gedrückt;
Sieben Nächte, neunmal neun.
Siech und elend schrumpf er ein;
Kann ich nicht sein Schiff zerschmettern,
Sei es doch umstürmt von Wettern."
[Shakespeare, Macbeth]

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DAS EINSIEDLERKREBS - RITUAL
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Aber unterscheide du zwischen dem aufwärts gerichteten Pfeil und dem abwärts gerichteten Pfeil, denn der aufwärts gerichtete Pfeil ist stabil in seinem Flug und wird von einer starken Hand abgeschossen, denn Yesod ist Yod Tetragrammaton und Yod ist eine Hand, aber der abwärts gerichtete Pfeil wird vom höchsten Punkt des Yod abgeschossen und dieses Yod ist der Eremit. Er ist der winzigkleine Punkt, der nicht ausgedehnt an deinem Herzen liegt.

Und er sagt: Ist das Leben nicht eine lange Weihe in die Trauer? Und ist Isis nicht die Herrin der Trauer? Und ist sie nicht - deine Mutter? Natur ist ihr Name, und sie hat eine Zwillingsschwester, Nephthys, deren Name Vollkommenheit ist. Und Isis muß von allen erkannt werden, aber wer erkennt Nephthys! Weil sie dunkel ist, deshalb wird sie gefürchtet.

Aber du, der du sie furchtlos verehrt hast, der du dein Leben zu einer Einweihung in ihr Mysterium gemacht hast, der du weder Mutter noch Vater hast, nicht Bruder noch Schwester, nicht Mann noch Kind, der du selbst dich einsam gemacht hast wie der Einsiedlerkrebs, der in den Wassern der Großen See lebt, siehe! Wenn die Sistren geschüttelt werden und die Trompeten laut die Herrlichkeit der Isis verkünden, dann ist am Ende davon Schweigen, und du wirst dich mit Nephtys vereinigen.

Und nachdem du diese erkannt hast, dann sind da noch die Flügel des Geiers! Du magst den Bogen deines magischen Willens bis zum Bersten spannen, du magst den Pfeil lösen und sie bis auf das Herz durchbohren. Dies ist Amor. Nimm also den Bogen und den Köcher von seinen Schultern und töte ihn. Denn ohne daß du ihn tötest, vermagst du das Mysterium der Liebenden nicht zu entschleiern.

Im Köcher stecken zwei Pfeile, einer weiß und der andere schwarz. Kannst du dich dazu überwinden einen Pfeil auf den Bogen zu legen?

Und da erklingt eine Stimme: Es muß so sein!

Da kommt das Verstehen über dich, und du nimmst die Pfeile heraus. Der weiße Pfeil hat keinen Widerhaken, aber der schwarze Pfeil ist mit Widerhaken gleich einem Walde aus Fischhaken versehen und er ist mit Messing umwunden und ist in tödliches Gift getaucht worden. Alsdann legst du den Pfeil auf die Sehne und schießt ihn auf das Herz des Amor und obwohl mit aller Kraft geschossen, fällt er dennoch ohne Schaden anzurichten von ihm ab. Aber genau in diesem Moment wird dein Herz von dem schwarzen Pfeil durchbohrt. Angsterfüllte Todesqual überfällt dich.

Und der Kindgott lächelt und sagt: Obwohl dein Pfeil mich nicht durchbohrt hat, obwohl der vergiftete Widerhaken dich getroffen hat, trotzdem bin ich tot und du lebst und triumphierst, denn ich bin du, und du bist ich.

Damit verschwindet er und siehe, der Pfeil! Die Federn der Maat sind seine Krone und um die Scheibe herum befestigt. Es ist die Ateph-Krone von Thoth, und da ist der Pfeil aus brennendem Licht und ein Keil aus Silber.

Überall sind Wirbel und Stürme tosenden Feuers. Die Sterne des Himmels sind gefangen in der Asche des Feuers. Und sie alle sind dunkel. Das, was einst eine strahlende Sonne war, gleicht einem Fleck aus Asche. Und in der Mitte brennt der Pfeil!

Und siehe, daß der Pfeil der Vater allen Lebens ist, und der Widerhaken des Pfeiles ist der Vater aller Liebe. Denn dieser Silberkeil gleicht einer Lotusblüte, und das Auge in dem Dreieck ruft: Ich wache. Und der Schaft ruft: Ich arbeite. Und der Widerhaken ruft: Ich warte. Und die Stimme des Universums hallt wider: Es strahlt! Es brennt! Es blüht!

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Xephyr
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"... und der Mitternachtshimmel loht,
ein Licht, erschreckender als Dunkelheit."
[Percy Bysshe Shelley]
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