Über die Sigillenmagie

Über die Sigillenmagie

Beitragvon Xephyr » Sa 6. Nov 2010, 15:58

Sigillenmagie wird heute als die Kunst des unbewußten Wünschens
verstanden. Sie ist neben der Formel der Selbstliebe bedeutendster
Teil des magischen Werkes von A.O. Spare, der Philosophie des Kia.
Ausser der praktischen Anwendungsform der Sigillen sind insbesondere
die Todesstellung und die Belebung der Atavismen erwähnenswert.

Bei der Sigillenmagie geht es im Wesentlichen darum einen Wunsch zu
formulieren und diesen in Zeichen zu wandeln, die der Seele verständlich
sind, denn diese hat eine eigene Sprache. Ausserdem erscheint es
notwendig diese Zeichen zunächst zu beleben um sie dann durch
vollständiges Vergessen frei zu setzen, was für das Funktionieren der
Wunscherfüllung wichtig ist.

Es gibt tatsächlich eine Menge Probleme mit der praktischen Durch-
führung von Sigillenmagie, weswegen ich davor immer wieder warne.
Gerade Anfänger sind sich der Komplexität der Zusammenhänge nicht
bewußt und stürzen sich nur allzuleicht in ein Abenteuer dessen
Ausgang äusserst ungewiss ist. Das Nichtfunktionieren eines Wunsches
ist dabei noch die harmloseste Konsequenz.

Ein paar wichtige Dinge seien an dieser Stelle nochmal erwähnt:

- Die Formulierung eines Wunsches ist schon sprachlich sehr tückisch.
Wenn die Seele den Wunsch (wie Till Eulenspiegel) wortwörtlich
auffasst - und davon ist in den meisten Fällen auszugehe - dann
kann zum Beispiel der einfache Wunsch nach Geld eine Erbschaft
bedeuten, die wiederum den Tod eines nahestehenden Menschen
beinhaltet. Mehr noch: Wer diesen nahestehenden Menschen zuvor
mit einem Schutzbann belegt hatte, der z.Bsp. alle Aggressionen
dreifach auf den Verursacher zurückwirft, wird es statt mit Geld
plötzlich mit einer vernichtenden Energie zu tun bekommen.

- Alltägliche Wünsche, wie die Liebe und Bindung zu einem Menschen,
können nach einer gewissen Zeit zu einer Qual werden. Mal abgesehen
von der moralischen Verwerflichkeit zu versuchen in die freie
Entscheidungskraft von anderen Menschen eingreifen zu wollen,
kann ein solcher Wunsch in seiner Unabänderlichkeit einen selbst
in eine äusserst mißliche Lage führen. Daher werden zeitliche
Wirkungsbegrenzungen empfohlen. Leider hat die Seele keinerlei
Repräsentation von linearer Zeit und diese Begrenzungen bleiben
fast immer wirkungslos.

- Es ist ein kardinaler Fehler in Wünschen Verneinungen zu verwenden.
Die Seele nimmt sich in den meisten Fällen den positiven Bedeutungs-
zusammenhang und realisiert nur diesen. Vom Wunsch: "Ich will nicht
mehr arm sein" wird also das für die Seele unverständliche 'nicht'
subtrahiert - und der Wunsch verkehrt sich in sein genaues Gegenteil.

Also nochmal: Vorsicht mit diesen Dingen, wenn man nicht genau weiß
was man tut. Meine Warnungen waren nur Auszüge, es kann noch wesentlich
mehr schiefgehen. In gängiger Literatur wird leider nur wenig auf diese
Zusammenhänge hingewiesen. Insbesondere im oft dilettantischen Angang
der Hexen-Szene wild drauflos 'gezaubert', weil man den schnellen Kick
sucht. Den gibts dann auch - und zwar direkt in den eigenen Arsch.

Xephyr

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