Über die magischen Kunstwerke

Über die magischen Kunstwerke

Beitragvon Xephyr » Sa 6. Nov 2010, 18:26

Wenn sich enthusiastische Kunstkenner und -kritiker unterhalten, dann reden sie meist von Oeuvren und deren pittoresker Anmutung. Wenn sich dagegen Künstler unterhalten, dann reden sie von Terpentinöl. Diese Diskrepanz zwischen Kunsttheoretikern und Künstlern läßt sich auch ganz gut auf die Magie übertragen. So wie die Kunstkritik das Marketing für die moderne Kunst übernommen hat, so sind es die Magietheoretiker, die aus der Be- und Umschreibung der Magie die Ware Esoterik geschaffen haben und bis heute nicht schlecht daran verdienen. Es gibt kaum ein Magiebuch oder ein Text, der nicht nicht magietheoretisch orientiert ist, auch wenn - ein weiterer Etikettenschwindel - der Titel meist Praxisbezogenheit suggerieren soll (in extremen Fällen findet man erst nach Jahren unnützer Übungen heraus, daß man es mit theoretischer Literatur zu tun hatte).

Ein CGI, ein Computer Generated Image, ist magisch gesehen etwas anderes als ein Tuschebild oder gar ein Gemälde. Ein Tuschebild hat den Vorteil keine Schatten aufweisen zu müssen und damit hat man einen guten Stand, wenn man mit der Welt der Schatten kommuniziert. Diese Welt IST Schatten und Schatten werfen nun mal selbst keine Schatten. Daher sind die meisten magischen Bilder Radierungen, Holzschnitte oder eben Tuschezeichnungen.

Ein magisches Gemälde ist wesentlich komplexer aufgebaut und bedarf einiger wichtiger "Tricks" um zu funktionieren. Jeder hat da seine eigenen Geheimnisse, ein paar davon verrate ich aber gerne. Zunächst einmal ziehe ich Lasurtechniken vor, das gibt mir die Möglichkeit die Vielschichtigkeit eines Themas besser umzusetzen. Im Gegensatz zur Tusche kann ich mit transparent gemachten Ölfarben fast beliebig viele Farbschichten auftragen, die verschiedenen Motive sind zwar mit dem bloßen Auge nicht sofort sichtbar, werden aber von den intuitiveren Sinnen sehr wohl erkannt. Bevor es aber an die Farbschichten geht, muß eine Grundierung auf die Leinwand aufgebracht werden und diese stelle ich aus verschiedenen Kräutern her, gemischt mit Wein, Ölen, Laktose und Gelatine (Rezepte kann man z.Bsp. bei P.B. Randolph in seiner Magica Sexualis nachlesen. Mal ganz abgesehen davon, daß ich den Kerl als den Begründer der westlichen Magie überhaupt ansehe. Wäre er kein dahergelaufener Mischling gewesen, dann wäre es nicht so leicht für Blavatsky & Nachf. gewesen ihn und die Hermetische Bruderschaft von Luxor gleichzeitig so frech zu bestehlen und so zynisch zu verleugnen.)

Diese Grundierung enthält die Seele des Gemäldes und sie ist kaum mit dem bloßen Auge sichtbar. Die folgenden Schichten baue ich mit Acrylfarben auf, immer noch einfarbig, in einem erdigen Rotton gehalten. Dann erst kommen die farbigen Öllasuren. Ich verwende Sikkaktive, Trockenmittel aus in Terpentin gelöstem Blei-, Kobalt- oder Mangansalzen. Das Zeug ist giftig und begünstigt Rissbildung und Vergilbung, aber es erlaubt mir innerhalb kurzer Zeit viele Schichten aufzutragen ohne die nervigen Trockenzeiten. Am Ende trage ich Leinöl auf, das Terpentinöl benutze ich um die Pinsel zu reinigen. Apropos Pinsel: Da geht das meiste Geld drauf, gescheite Pinsel sind verdammt teuer.


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