"Dein Körper - Dein Traumdeuter" von Eugene Gendlin

Literatur von Magiern, Künstlern und Autoren aus der ganzen Welt

"Dein Körper - Dein Traumdeuter" von Eugene Gendlin

Beitragvon oYo » So 19. Jan 2014, 19:00

Hallihallo,

"Dein Körper - Dein Traumdeuter, Innere Achtsamkeit: mit Focusing Träume verstehen" von dem Philosophen und Psychologen Eugene T. Gendlin, dieses Buch wurde im blauen Nachbartraumforum (deutung.com) empfohlen. Als ich in der Beschreibung las, daß Gendlin Traumdeutung über das Gefühl lehrt, war ich hellauf begeistert. Seit über 15 Jahren beschäftige ich mich schon intensiv mit der Welt der Gefühle und habe für mich selbst so wahnsinnig viele Möglichkeiten gefunden, mich durch das Gefühl zu bewegen, mich zu orientieren, Verbindungen verschiedener Lebensthemen aufzuspüren, größere Zusammenhänge zu begreifen und Lösungen für Probleme zu finden. Und natürlich, wenn ich meine eigenen Träume deute, dann bin ich dabei ständig in Kontakt mit meinem Gefühl und lasse mich von ihm zu meiner persönlichen Deutung geleiten - gemeinsam mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen über Träume, Traumsymbole und mein eigenes Wesen.

Die Aussicht auf ein Buch, das einen Teil dessen, was ich über viele Jahre hinweg für mich herausgefunden habe, in klarer und leicht verständlicher Sprache präsentiert, hat mich ganz kribbelig gemacht. Und natürlich war ich auch neugierig, ob es für mich noch etwas Neues zu lernen gibt. Ich mußte es bestellen! Und Gendlin hat mich nicht enttäuscht.

Zunächst stellt er eine Liste von Fragen auf, die auf seinen eigenen Erfahrungen, aber auch auf denen anderer Psychologen beruht, vor allem natürlich der berühmten Tiefenpsychologen. Im Anhang beschreibt er zu jeder Frage, welche Bedeutungsfelder sie umfaßt, und zeigt anhand von Beispielen seine Methode, das Focusing. Er unterscheidet dabei zwischen normalen, klaren und bekannten Gefühlen wie Wut, Trauer, Schmerz, Freude, Neugierde usw. und dem Körpergefühl, ein Gefühl, das man im Körper spürt und das eher wage, eine Ahnung, eine gefühlte Intuition ist. Dieses Gefühl nennt er 'Felt Sense'. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus frage ich mich, wieso er den Felt Sense im Körper festmacht, die deutlichen und bewußten Gefühle aber nicht. Er faßt es sogar noch enger und spricht von der Körpermitte, in der sich der Felt Sense aufhalten solle. Ich jedenfalls spüre meine Freude und meine Wut ebenso im Körper, wie Gefühle der Ahnung und des Instinkts, und letztere nicht nur in einer angenommenen Körpermitte (selbst die ist für mich nicht immer an der gleichen Stelle). Aber das ist nur ein kleines Detail, an dem ich mich stoße. Ich denke, er will etwas Wichtiges begreifbar machen: nur wer seinen Körper spürt, der hat auch einen echten und wahren Zugang zu seinen tieferen, aus dem Unbewußten hereinströmenden Gefühlen. Wer seinen Körper kaum oder gar nicht spüren kann, der lebt in einem Zustand ständiger Dissoziation und hat keinen Anker mehr in der Realität - denn genau diesen Anker, diese innere Respons auf die äußere Welt bieten Gefühle.

Die Methode an sich ist eigentlich schnell erklärt. Man stellt sich zu einer Lebenssituation oder in unserem Spezialfall zu einem Traum eine Frage und nimmt sich etwas Zeit, dazu spontan zu assoziieren. Gleichzeitig fühlt man aber in sich hinein und sucht seine innere Gefühlsintuition auf, das Gefühl, das man hat, wenn man an den Traum denkt, das man vielleicht noch nicht in Worte fassen kann, das aber spürbar ist, deutlich oder auch undeutlich und verschwommen. Wenn man in Kontakt bleibt mit dem Felt Sense und dann Assoziationen und Deutungsansätze für einzelne Szenen des Traums findet, spürt man, ob der Felt Sense sagt 'nein, das ist es noch nicht' oder ob da plötzlich ein Aha-Erlebnis, ein Gefühl 'ja! genau das ist es!' auftaucht, ein Gefühl, das oft mit einer gewissen Energie einhergeht, die einem Freude bereitet, Begeisterung, mehr Kraft, Neugierde. Gendlin spricht von einer Öffnung und von einer vermehrten Kraft und nennt dieses Aha-Gefühl 'Felt Shift'.

Aber nicht nur über Assoziationen nähert man sich seinem Traum. Im Buch erklärt er sehr ausführlich und gut verständlich, wie man sich mit Hilfe des Felt Sense in verschiedene Traumfiguren und Perspektiven einfühlen kann, wie man sich selbst im Hineinfühlen in eine Traumrolle Fragen stellen und aus dem Felt Sense heraus Antworten finden kann. Er geht sogar noch viele Schritte weiter und zeigt Möglichkeiten auf, durch neue, ungewohnte Perspektiven und Denkanstöße ein sicheres Gefühl dafür zu entwickeln, in welche Richtung eine Lösung für Probleme oder eben die Deutung des Traumes liegt, und dieser Richtung weiter zu folgen.

Was mir sehr gut gefällt, ist eine Erkenntnis über Träume, die Gendlin sehr eindrücklich zeigt und ausarbeitet: Träume beschäftigen sich nicht nur mit dem alltäglichen Leben, sie zeigen oft auch Möglichkeiten auf, wie man sich selbst in eine gewollte Richtung verändern kann. Schritt für Schritt begleiten sie den Menschen und sind ihm gleichzeitig ein Führer und eine Standortbestimmung, wie sich eine Gefühlssituation oder das eigene Verhalten inzwischen verändert haben. An vielen verschiedenen Beispielen zeigt er, wie man diese Schritte in Träumen aufspüren und auch tatsächlich real in seinem Leben umsetzen kann.

Was mir hier ein wenig fehlt, ist der Blick auf das Eintauchen der Träume in die immense Vielfalt, den inneren Reichtum und die Veränderungen aller assoziierten Lebenserfahrungen und sogar allgemeiner menschlicher Erfahrungen überhaupt, das mit großer Faszination, Liebe und Kraft immer wieder geschieht. Mir persönlich ist Gendlins Perspektive zu psychologisch. Auch wenn er sehr viel Wert auf das innere individuelle Gefühl legt und immer wieder betont, wie wichtig es ist, sich darauf und nur darauf zu verlassen, wirkt seine Herangehensweise auf mich an manchen Stellen zu technisch und etwas unterkühlt.

Für ihn ist es unabdingbar, daß ein Traum zu einer neuen Einsicht und zu einem Veränderungsschritt führen muß. Dafür hat er die sogenannte Voreingenommenheitskontrolle entwickelt, die einem helfen soll, aus seinen eigenen, zu engen Weltbildern herauszukommen und den Traum und die damit verknüpften Inhalte aus allen möglichen Perspektiven zu betrachten, sich diesen zu öffnen und neue Impulse selbst aus stark abgelehnten Aspekten des Lebens zuzulassen. Ich halte das zwar grundsätzlich durchaus für lohnenswert. In der Tat können sich in vielen Dingen, die man komplett ablehnt und deswegen generell nicht betrachtet, wichtige und hilfreiche Impulse verbergen, die einen aus einer allzu verfahrenen Lebenssituation möglicherweise leicht und schnell herausführen könnten, wenn man sie nur beachten würde. Aber die Art und Weise, wie Gendlin diese Öffnung in alle Richtungen herstellt, führt in meinen Augen zu leicht von dem tiefen inneren Gefühlsinstinkt weg. Das Herstellen einer neuen Perspektive, das Finden eines neuen Schrittes ist ihm mitunter so wichtig, daß er fordert, den bereits gefundenen 'Felt Shift' in einer skeptischen, nach allen Richtungen hin grenzenverwischenden Methodik wieder zu verlassen, um dann erneut die Gefühlsspur aufzunehmen und das Neue darin zu entdecken.

Ich habe diese Methodik der Voreingenommenheitskontrolle an meinen Träumen ausprobiert und sie funktioniert! Tatsächlich habe ich dadurch eine Perspektive und Ideen gewonnen, die ich vorher nicht gesehen habe. Allerdings um den Preis des Ärgers, daß ich dafür mein schon gefundenes Gefühl des 'Felt Shift' und meine durch viel Traumarbeit und Lebenserfahrung bereits herangereiften Weltbilder zunächst verlassen mußte, um am Ende festzustellen, daß die neue Perspektive sich dann ja doch wieder in mein Gefühl und meine Weltbilder einfügt und einfügen muß - sonst hat sie vor meinem tiefen inneren Instinkt keinerlei Bestand. Ich habe in derselben Nacht sogar davon geträumt, was ich später noch gerne erzählen möchte.

Gendlin schränkt später die Forderung nach dem Neuen, das man in jedem Traum finden müsse, wieder etwas ein: nämlich dann, wenn man sich bereits in einer aktiven Veränderung befinde, könne ein Traum durchaus auch einfach nur eine Standortbestimmung, eine Feier des bisher erreichten Erfolges oder eine Fortsetzung der neu eingeschlagenen Richtung sein. Er stellt dann noch Kontrollfragen auf, die einem helfen sollen, sich selbst in den Allerwertesten zu treten, damit man die Methode des Focusing auf seine Träume und sein Leben beständig anwendet und auch wirklich reale Schritte zur Veränderung unternimmt und nicht wieder im Sumpf des eigenen bisherigen Seins versinkt. Letztendlich ist die Traumdeutung für ihn eben ein Mittel zur Therapie, die zwangsläufig eine Veränderung im Leben des Therapierten erbringen muß - sonst ist sie keine erfolgreiche Therapie. Diese Herangehensweise ist für einen Psychologen wohl unabdingbar und deswegen durchaus verständlich.

Aber da ich nunmal Magierin und nicht Psychologin bin, gefällt sie mir nicht sonderlich. Für mich sind Träume so voller Zauber und Magie, die man einfach nur genießen und leben kann, ohne sich einem Müssen und Sollen auszusetzen. Ich begreife Veränderung als etwas, was meinem inneren Gefühl und meinem tief empfundenen Wollen entspricht und dem zu folgen mir Lust und Kraft bereitet. Und da gibt es durchaus sehr viel Raum für eine scheinbare Trägheit, Widerstand oder Faulheit, die möglicherweise nichts anderes bedeuten als eine wichtige Ruhepause, in der ich aus einer schwierigen Phase meines Lebens heraus genese, Kraft für neue Taten sammle oder all meine Energie für unbewußte Prozesse brauche, die noch nicht bereit sind, aus dem unendlichen Schatz der Tiefe ins Bewußtsein zu strömen.

Letztendlich bleibt es ohnehin jedem Leser überlassen, was er aus einem Buch für sich mitnimmt, wodurch er sich inspirieren läßt und was er eben lieber anders macht als der Autor. Andere mögen vielleicht insbesondere seine Kontrollmechanismen wertschätzen - ich tue es nicht. Und genau das schreibt Gendlin auch in seinem letzten Kapitel. Er gibt mit einem Augenzwinkern die "Instruktion, dass Instruktionen nicht befolgt werden müssen" und fordert den Leser auf, sich bei allem Gelesenen auf seinen eigenen 'Felt Sense' zu verlassen.

Ich glaube, gerade Menschen, die sich noch nicht so intensiv mit Traumdeutung beschäftigt haben, können durch das Focusing für sich mit ein wenig Übung einen sehr unmittelbaren und relativ leicht verständlichen Zugang zu ihren Träumen, ihren Gefühlen und den daraus entstehenden Lösungswegen für ihre Probleme finden. Mich jedenfalls hat das Buch alles in allem sehr inspiriert. Auch wenn für mich nichts Neues darin zu finden war und ich mit meiner Magie über das, was Gendlin hier beschreibt, weit hinausgehe, habe ich mich durch die Lektüre in meinem eigenen Lebensstil und in meiner magischen Lebenssauffassung bestärkt gefühlt, deren wichtigstes Fundament mein tiefempfundenes Gefühl und die daraus erwachsende Kommunikation mit meiner bewußten und unbewußten Welt in mir und um mich herum bilden.

Darum empfehle ich dieses Buch jedem, der sich für Träume, für Gefühle und für das Leben fasziniert und nach Wegen sucht, tiefer in diese phantastische Welt einzutauchen!

oYo :galaxy:
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Re: "Dein Körper - Dein Traumdeuter" von Eugene Gendlin

Beitragvon oYo » Fr 24. Jan 2014, 18:14

Hallo liebe Träumer und Magier,

nachdem ich die Kapitel über die Voreingenommenheitskontrolle gelesen und mich darüber ein wenig geärgert hatte, ging ich direkt schlafen. Ich hatte in dieser Nacht folgenden Traum, den ich in Bezug auf die Voreingenommenheitskontrolle begreife (oder mit Felt Sense und Felt Shift dahingehend gedeutet habe :grins: ):

Xephyr und ich fuhren auf unserem Roller eine Straße irgendwo in Italien hinauf. Wir fuhren durch den Sonnenschein, ich saß hinten und genoß es, Xephyr mit meinen Arm eng zu umschlingen. Wir fühlten uns wohl und frei. Linkerhand tauchte ein sehr großes Gebäude auf, es war eine Mischung aus Hotel, Kurhaus, Herrschaftssitz und Verwaltungsgebäude. Es war weiß gestrichen, aber ziemlich verrußt und wirkte auch wegen der vielen recht kleinen Fenster wenig einladend. Dennoch hielt Xephyr davor, ich wollte das nicht, aber er sagte, wir hätten dort etwas Wichtiges zu erledigen. Über dem Eingang prangte eine Schrift: "Park House".

Xephyr und ich betraten das Gebäude und kamen in einen ziemlich dunklen Raum, in dem sich rechts eine Kuchentheke und eine Kasse befanden. Dahinter öffnete sich in der Wand ein Durchbruch ohne Türen, durch den man einen langgezogenen, durch viele große Fenster sehr viel helleren Raum sehen konnte, der mit Tischen und Stühlen als Café eingerichtet war. Draußen konnte man einen alten, etwas heruntergekommenen Park sehen, eigentlich wildromantisch, aber in dem trüben Licht des nun bewölkten Winterhimmels wirkte er trist.

Hinter der Theke stand eine rotgekleidete Frau mit dunklen, kurzen, etwas lockigen Haaren, die uns freudig anstrahlte. Wir erkannten sie sofort, denn plötzlich konnte ich mich an etwas erinnern, das ich gar nicht explizit geträumt habe:

Xephyr, meine Schwester, meine Mutter und ich hatten nämlich in einer Stadt namens Livingpool eine Ferienwohnung gemietet. Die Straße, in der sich die Wohnung befand, war eher ungemütlich, unschöne Häuser, eine harte, kühle Stimmung. Dort gab es eine kleine Bäckerei, deren Bäckerin diese Frau in Rot war. Xephyr und ich hatten bei ihr einen wundervollen, riesigen, länglichen Kuchen gebacken. Er war ca. 1 m lang und 40 cm breit, schön goldbraun gebacken und mit in kräftigen Farben leuchtenden Zuckergußblumen verziert. Diesen Kuchen sollte die Frau eigentlich in ihrer Bäckerei in Livingpool verkaufen, aber sie war mit dem Kuchen spurlos verschwunden. Wir hatten bei der Polizei eine Vermißtenanzeige für unseren Kuchen aufgegeben. Wir fühlten uns von der Frau bestohlen.

Jetzt, da die Frau vor uns stand, sagte Xephyr erbost: "Wir haben Sie angezeigt!" Aber dann sahen wir, wie sie gerade das letzte Stück unseres Kuchens verkaufte. Xephyr verstummte und die Frau erklärte: "Ich habe den Kuchen lieber hier verkauft, hier bekommt man viel mehr Geld dafür!" Wir waren erleichtert, daß sie doch ehrlich war und für uns sogar mehr Geld verdient hatte. Aber ich war traurig, daß sie ihn schon komplett verkauft hatte, denn ich hätte jetzt sehr gerne ein Stück davon gegessen. Während Xephyr sich schon im Nachbarraum an einen Tisch setzte, suchte ich nach einem anderen Stück Kuchen, das mir schmecken könnte.

Ganz links lagen langgezogene Blätterteigtaschen, die mit Mohn gefüllt waren. Die sahen zwar nicht besonders lecker aus, aber akzeptabel. Daneben ein paar Teilchen mit Zuckerguß, die mir viel zu süß und pappig wirkten. Rechts waren Torten aufgestellt, die alle viel zu viel Creme hatten. Eine schien nicht schlecht, ein sehr klar abgezirkelt geschnittenes rechteckiges Stück mit einem dünne Boden, einer dicken Himbeerquarkcreme drüber und obendrauf Früchte. Ich fragte, ob das Himbeeren seien? Nein, es waren Erdbeeren, jetzt sah ich auch, daß sie mit viel zu viel Gelee übergossen waren und an einer Seite etwas matschig wirkend runtergerutscht waren. Ne, ich mag keine Erdbeeren im Kuchen.

Also entschied ich mich am Ende doch für das Mohnteilchen und wandte mich dem Durchbruch ins Café zu. Xephyr kam mir entgegen und meinte: "Wo bleibst du denn so lange? Wir wollten doch reden!" "Ich komm ja schon. Willst du dir denn keinen Kuchen aussuchen?" Anscheinend nicht. Ich setzte mich an den Tisch, wo Xephyr vorher gesessen hatte, aber zu meinem Ärger setzte Xephyr sich fast ganz ans andere Ende des langgestreckten Raumes. Er saß in derselben Tischreihe wie ich, die Tische dazwischen waren leer. Wir saßen uns also gegenüber, nur eben auf Distanz. Außerdem sah Xephyr jetzt anders aus, er erinnerte mich an einen Traumcharakter, der seit mehreren Jahren schon öfters eine Rolle in meinen Träumen spielte.

Dieser Mann war eher schmal und etwas kleiner als ich, mit kurzen rötlichen Haaren, er hatte etwas Englisches. Früher war er einmal eine sehr aggressive Traumgestalt, aber in den letzten Wochen hat er sich dafür entschuldigt und hilft mir seitdem manchmal, wenn ich mich im Traum durchsetzen muß. Ich ärgerte mich jetzt, daß dieser Mann, der ja eigentlich Xephyr war, so weit weg von mir saß. Dabei hatte ich mich doch an den Tisch gesetzt, den er ausgesucht hatte! Gerade wollte ich über die vielen Tische hinweg meinem Ärger Luft machen, da sah ich, daß er einen rotbraunen Schal in der Farbe seiner Haare strickte und beim Stricken sein Gesicht hinter dem Schal versteckte. Manchmal senkte er das Strickzeug oder hielt es etwas seitlich, so daß ein Teil seines Gesichtes zu sehen war. Er blinzelte mir schelmisch zu, grinste verschmitzt und flirtete ein bißchen mit mir. Das beruhigte meinen Ärger und brachte mich zum Lachen.

Im nächsten Posting, wie ich den Traum mittels Gendlins Methode gedeutet habe. ;-)
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Re: "Dein Körper - Dein Traumdeuter" von Eugene Gendlin

Beitragvon oYo » Fr 24. Jan 2014, 19:07

Hallihallo,

wie schon gesagt, verstehe ich den Traum als Kommentar bzw. Einschätzung meines Unbewußten zu Gendlins Voreingenommenheitskontrolle. Ich fand es witzig, daß ich überhaupt dazu geträumt habe, deswegen habe ich ihn aufgeschrieben. :grinss:

Italien ist für mich in Träumen sehr oft das Land der Liebe und der Lust am freien, ungezwungenen Leben - besonders steht die Stadt Roma (=amoR) dafür. Xephyr verstehe ich hier als meine Liebe zu meinem Unbewußten, zur Traumdeutung und zur Magie. Erst dachte ich natürlich, es wäre wirklich Xephyr gemeint, aber das fühlte sich nicht richtig an. Ich bin also unabhängig und individuell mit meiner Liebe zur Magie unterwegs (die Fahrt mit dem Roller). Doch Xephyr ist es wichtig, in dieses Haus hineinzugehen, weil er mir etwas zeigen möchte. Das Haus steht für ein mir fremdes Weltbild (Hotel), das eine Art Erholung und Heilung verspricht (Kur), gleichzeitig für eine bestimmte, vorgeschriebene Ordnung sorgt (Verwaltung) und den Herrschaftsbereich einer bestimmten Person darstellt. Es symbolisiert also eine Heilordnung eines Herrn, den ich aus dem Gefühl heraus als Gendlin identifiziert habe. Eigentlich stellt das Haus nur die Voreingenommenheitskontrolle selbst dar, aber das habe ich erst später in der Traumdeutung herausgefunden. Man merkt jedenfalls, daß mir das Haus nicht wirklich behagt und es durch die vielen kleinen Fenster zu kleinkariert auf mich wirkt.

Drinnen erwartet uns eine Frau, die ich aus anderen Träumen kenne, auch wenn sie hier etwas anders aussah. Sie ist ein Aspekt von mir, der in meinen Träumen eine Tiefenpsychologin verkörpert. Sie ist eigentlich eine sehr weiche, liebevolle, sinnliche Frau, normalerweise ein wenig beleibt, eine Mischung aus meiner Mutter und der Mutter einer Freundin aus meiner Jugendzeit, die ich immer als wahnsinnig lieb und einfühlsam erlebt habe (also, die Mutter). In diesem Traum ist sie aber eine Verschmelzung mit Gendlin eingegangen, ihre weichen Züge sind einer gewissen Härte gewichen. Sie war zwar immer noch ein klein wenig mollig, wirkte insgesamt aber schmaler und burschikoser, hatte auch Aspekte meiner Sportlehrerin aus Oberstufenzeiten, die ich nicht besonder mochte und die immer einen zynischen Kommentar auf den Lippen hatte, wenn ich wegen Menstruationsschmerzen nicht am Sportunterricht teilnehmen konnte - so nach dem Motto, ich würde die Schmerzen ja nur vortäuschen. Diese Gestalt repräsentiert für mich Gendlin in Chemie mit meinem eigenen psychologisch orientierten Aspekt.

Xephyr, meine Schwester, meine Mutter und ich hatten Ferien in Livingpool gemacht, in einem eher ungemütlichen Ort. Das war etwas knifflig zu verstehen, aber schließlich wurde mir klar, daß dieser Ort einen der Träume darstellt, an dem ich die Voreingenommenheitskontrolle ausprobiert habe. Dieser Traum war in der Tat etwas ungemütlich gewesen. Ich hatte ihn bereits vollständig und zu meiner vollsten Zufriedenheit nach Gendlins Methode gedeutet, für diese Deutung steht der Kuchen, den Xephyr und ich in der Bäckerei der oYo-Gendlin-Psychologin gebacken haben. Den inneren Gewinn, den ich aus dieser Traumdeutung ziehen wollte, sah ich im direkten Zusammenhang mit dem Traum, denn ich wollte, daß der magische Kuchen direkt in diesem Viertel in Livingpool verkauft wurde. Und natürlich wollte ich ihn auch selbst genießen und davon etwas essen.

Aber dann kam das Gefühl des Diebstahls, weil ich mich nach der Traumdeutung auf die Voreingenommenheitskontrolle eingelassen habe. Ich habe also bewußt meinen Kuchen in die Hände der Methodik gegeben und dadurch meine gefundene Deutung - zumindest vorerst - aufgegeben, was sich in der Tat wie ein Verlust angefühlt hat.

Zurück zur aktuellen Traumszene: Wie sich herausstellt, ist der Kuchen also doch nicht verloren gegangen, sondern laut Aussage von oYo-Gendlin gewinnbringender verwertet worden. Blöderweise habe ich nun weder den Genuß, daß Livingpool durch diesen Kuchen belohnt wird, noch daß ich den Kuchen selber essen kann, was mich enttäuscht. Also vielleicht doch nicht so gewinnbringend, wie angekündigt? Gemäß der Voreingenommenheitskontrolle betrachte ich nun eingehend das gesamte Angebot an Deutungsmöglichkeiten und mache mich offen für Dinge, die mir nicht gefallen, die aber möglicherweise neue Erkenntnisse für mich bringen mögen. Ich bemühe mich, jedes Kuchenstück zu würdigen, finde sogar eins, das erst interessant auf mich wirkt, das dann aber doch eher verunglückt und unappetitlich daherkommt. Also entscheide ich mich meiner ersten Intuition entsprechend für das Stück, das mir noch am ehesten genießbar bzw. verwertbar erscheint. Es ist ein längliches Teilchen, von der Form her also meinem ursprünglichen Deutungskuchen ähnlich, wenn auch viel kleiner. Und es ist mit Mohn gefüllt, was ich mit dem Mond, mit Träumen und dem Unbewußten allgemein in Verbindung bringe, in einem eher schweren, sinnlichen, dunklen Aspekt. Aber das Teilchen ist in einem Blätterteig mit Zuckerguß, sowas mag ich gar nicht. Das steht für mich für das Zerblättern und Auseinanderfallen des Traums, das ich empfinde, wenn ich die Voreingenommenheitskontrolle anwende.

Meine Liebe zur Traumdeutung und zur Magie - nämlich Xephyr - hat das ungeduldig und wütend gemacht, denn er wollte sich mit mir weiter über den Traum unterhalten. Es hat ihn mir sogar entfremdet, verändert und auf Distanz gebracht, was wiederum mich wütend machte. Das Café steht dabei für die anregende Unterhaltung, die ich dennoch beim Anwenden der Methodik verspürt habe. Hier ist zwar nicht viel los, es ist also nicht sooo spannend für mich, aber immerhin verspricht es einen Ausblick auf einen romantischen Park. Den Park verstehe ich als die Kreativität und Schönheit, die ich in Gendlins Buch erleben durfte. Doch durch die Voreingenommenheitskontrolle wirkt er nun winterlich unterkühlt und kahl.

Das letzte Traumbild zeigt, daß mir die Voreingenommenheitskontrolle dennoch einen anderen Aspekt des Traums gezeigt hat. Dieser Aspekt ist der veränderte Xephyr, der jetzt an einem Schal strickt und mit mir flirtet. Hier ist also erkennbar, daß ich beim Anwenden der Voreingenommenheitskontrolle den Kontakt zu meinem Gefühl wiedergefunden und eine neue Beziehung zu der Traumdeutung aufgenommen habe, die mir wieder Freude bereitet hat. Ich habe zu einem eher aggressiven Wesensaspekt von mir selbst eine neue, schönere Beziehung gewonnen als zuvor. Eigentlich ist das gar nicht so sehr ein Ergebnis, das direkt mit dem Traum zu tun hat, auf den ich die Methode angewendet habe. Es ist eher das Ergebnis der Erfahrung meines eigenen Ärgers, meiner inneren Aggression, die durch die Methodik ausgelöst wurde und die ich immer mehr zu schätzen lerne. Der Schal ist ein kleiner Witz meines Traumes: Wer eine Voreingenommenheitskontrolle durchführt, sollte sich warm anziehen, damit er nicht durch die Technik unterkühlt und völlig verschnupft und verärgert daraus hervorgeht. ;-)

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